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Baukosten sind kein Schicksal

Gastbeitrag | Steffen Robbi

Die Baukosten explodieren – und trotzdem behandeln wir sie vielerorts noch immer wie eine nachgelagerte Rechengröße.
Gerade in komplexen Projekten zeigt sich: Jede frühe Entscheidung wirkt wie ein Hebel. Je später korrigiert wird, desto teurer wird es. Trotzdem fehlt häufig der Mut, Kostenfragen frühzeitig und offen zu adressieren und transparent zu machen.

BIM und KI schaffen Kostenwahrheit

BIM wird noch immer häufig auf ein 3D-Modell reduziert. Tatsächlich bildet BIM die Grundlage für wirtschaftliche Transparenz und fundierte Steuerung. Ein digitales Gebäudemodell verknüpft Geometrie mit Mengen, Qualitäten, Abhängigkeiten und Zeit – und macht die finanziellen Auswirkungen von Planungsentscheidungen frühzeitig sichtbar. Varianten werden vergleichbar, Annahmen überprüfbar, Risiken kalkulierbar.

Dass dieser Ansatz auch in komplexen Projekten funktioniert, zeigt Agron Deralla von AllesWirdGut Architekten mit dem Projekt ARGE TVG eindrucksvoll. Durch konsequente openBIM-Anwendung wurde eine durchgängige, transparente Planung ermöglicht. Dafür erhielt das Projekt 2025 in Berlin den buildingSMART openBIM Award als weltweit bestes openBIM-Projekt.

Mit Künstlicher Intelligenz kommt eine weitere Dimension hinzu. KI kann aus einer Vielzahl unstrukturierter Projektdaten lernen, Muster erkennen, aktuelle Materialpreisentwicklungen berücksichtigen und Abweichungen prognostizieren, lange bevor sie in klassischen Kostenberichten sichtbar werden. Sie unterstützt fundierte Entscheidungen über Kosten, Termine und Qualitäten hinweg – nicht als Ersatz für Erfahrung, sondern als intelligenter Verstärker. Voraussetzung bleibt jedoch eine konsistente, strukturierte und belastbare Datenbasis sowie der Wille, diese Erkenntnisse aktiv zu nutzen.

Nachhaltigkeit braucht Daten

Genau daran scheitert es in der Praxis noch häufig. Unklare Standards, fehlende Klassifizierungen und fragmentierte Prozesse verhindern, dass BIM und KI ihr volles Potenzial entfalten. Besonders deutlich wird das auch im Kontext der Nachhaltigkeit. Wer alternative Materialien einsetzen oder Produkte künftig zurückbauen, bewerten und wiederverwenden will, braucht verlässliche Informationen zu Mengen, Qualitäten, Zuständen und Zeitpunkten.

Digitale Modelle schaffen hier die Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen – im Hinblick auf Kosten, Qualität und Umweltwirkung gleichermaßen. Sie ermöglichen es, wirtschaftliche und ökologische Ziele nicht gegeneinander auszuspielen, sondern miteinander zu verbinden. Baukosten sind daher kein unabwendbares Schicksal. Sie spiegeln die Qualität unserer Entscheidungen wider. Und diese Entscheidungen lassen sich verbessern – durch Transparenz, durch Daten und durch den Mut, frühzeitig systematisch zu steuern.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 11. März 2026 - zuletzt bearbeitet am 11. März 2026


SR
AutorSteffen Robbi
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