Deutsche Insel zum Schnäppchenpreis
DDR-Insel wird versteigert
Eine ungewöhnliche Spezialimmobilie steht bei einer Auktion in Hamburg zum Verkauf: Die ehemalige DDR-Militärstation „Ostervilm“, gelegen im Greifswalder Bodden südöstlich der Insel Rügen. Wie die Norddeutsche Grundstücksauktionen AG im Vorfeld mitteilt, handelt es sich bei dem Auktionsobjekt um eine künstliche Plattform mitten in der Ostsee, die zu Zeiten der DDR von der Volksmarine als sogenannte Entmagnetisierungsstation genutzt wurde. Das Mindestgebot für das geschichtsträchtige, aber stark sanierungsbedürftige Eiland liegt bei 39.000 Euro.
Die rund 250 Quadratmeter große Anlage befindet sich in einem maroden baulichen Zustand. Nach Jahrzehnten des Leerstands und Vandalismus sind Fenster und Türen zerstört, Holzdielen teilweise eingebrochen und die verbliebenen Bauelemente von Korrosion gezeichnet. Historisch diente die 1954 in einer Wassertiefe von etwa zehn Metern auf rund 600 Holzpfählen errichtete Plattform militärischen Zwecken. Marineschiffe wurden dort über eine im Meer verlegte Kabelschleife behandelt, um den magnetischen Eigenschutz der Rumpfelemente zu erhöhen und die Erfassung durch Seeminen mit Magnetzündern zu verhindern. Das aufbautenlose Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf der Plattform wird im Auktionskatalog als rein funktional beschrieben.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wechselte die Anlage mehrfach den Besitzer, ohne dass eine nachhaltige Bewirtschaftung oder Sicherung der Bausubstanz stattfand. Die logistischen Rahmenbedingungen des Objekts gelten als komplex: „Man hatte keine 220 Volt, es gab auch kein Trinkwasser auf der Insel. Das wurde immer mit Tanks rübergebracht“, berichtet der lokale Zeitzeuge Burkhard Lenz aus Putbus, der Mitte der 1990er Jahre Vermessungen für eine potenzielle zivile Nachnutzung durchführte. Aufgrund des hohen technischen und finanziellen Aufwands wurden die damaligen Umnutzungspläne jedoch wieder verworfen.
Trotz des dokumentierten Sanierungsstaus und der fehlenden Netzanbindung verzeichnet das Auktionshaus im Vorfeld der Versteigerung konkrete Anfragen von Investoren und Projektentwicklern. Laut Hanna Scheibeler, Sachbearbeiterin des Auktionshauses, reichen die eingegangenen Nutzungsideen von der Errichtung einer exklusiven Gastronomie- und Eventlocation bis hin zu einer Bar oder einem Kasino im Küstenmeer. „Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt“, so Scheibeler. Ob und in welcher Form eine zivile Genehmigung für derartige Konzepte auf der maroden Plattform im sensiblen Ökosystem der Ostsee erteilt werden kann, bleibt nach der Auktion zu prüfen.
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