Deutschland: Balkon zählt beim Kauf, nicht zur Miete
Am angespannten Mietmarkt verliert der Freisitz an Relevanz
Eigentumswohnungen mit Balkon verzeichnen im zweiten Quartal 2026 durchschnittlich 19 Prozent mehr Anfragen pro Inseratstag als vergleichbare Objekte ohne Freifläche. Noch vor drei Jahren lag dieser Nachfragevorsprung bei lediglich 6 Prozent. Eine aktuelle Analyse von Immo Scout24 über 118 kreisfreie Städte in Deutschland zeigt, dass der Balkon beim Erwerb deutlich an Gewicht gewinnt, während er im Mietsektor zunehmend zur Nebensache wird.
Bei Mietwohnungen hat sich das Bild gedreht: Objekte mit Balkon erhalten aktuell 2 Prozent weniger Anfragen pro Inseratstag als solche ohne. Vor drei Jahren lagen sie noch 3 Prozent vorn. Der Mietpreisaufschlag für Wohnungen mit Balkon ist im selben Zeitraum von 8 auf 5 Prozent gesunken.
Im Median werden Mietwohnungen mit Balkon um 12,09 Euro pro Quadratmeter angeboten, ohne Balkon um 11,49 Euro. Gesa Crockford, Geschäftsführerin von Immo Scout24, ordnet ein: "Beim Kauf gewinnt der Balkon an Bedeutung, bei der Miete rücken Preis und Verfügbarkeit klar in den Vordergrund. Angesichts von 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen in Deutschland wird Ausstattung für viele Suchende zur Nebensache.
"Beim Kaufpreis bleibt die Differenz stabil. Eigentumswohnungen mit Balkon werden im Median um 4.381 Euro pro Quadratmeter inseriert, ohne Balkon um 3.903 Euro. Der Aufschlag liegt konstant bei rund 12 Prozent und hat sich in drei Jahren kaum verändert.
Die Analyse weist allerdings darauf hin, dass auch Lage, Größe, Baujahr und Zustand in die Preisdifferenz einfließen. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede im Angebot. In Rosenheim verfügen 81,7 Prozent aller angebotenen Wohnungen über einen Balkon, der höchste Wert unter allen kreisfreien Städten.
München kommt auf 73,6 Prozent, Berlin auf 68,0 Prozent, Hamburg auf 65,8 Prozent. Am unteren Ende rangiert Gelsenkirchen mit 41,5 Prozent, gefolgt von Hof mit 41,7 Prozent und Brandenburg an der Havel mit 43,2 Prozent. Ein klares regionales Muster lässt sich dabei nicht erkennen.
Insgesamt weisen 78 Prozent der angebotenen Eigentumswohnungen und 68 Prozent der Mietwohnungen einen Balkon auf. Die Ergebnisse illustrieren die unterschiedliche Marktdynamik: Während Käufer selektiver agieren und Ausstattungsmerkmale wie den Balkon gezielt nachfragen, dominiert bei Mietsuchenden die schiere Verfügbarkeit. Am angespannten Mietmarkt setzen Vermieter auch bei Objekten ohne Freifläche höhere Preise durch, weil die Nachfrage das knappe Angebot bei weitem übersteigt.
Weitere Artikel