Deutschlands Wohnungskrise kostet Wachstum
Der Bau-Monitor 2026 beziffert den Wohlstandsverlust durch fehlende Wohnungen.
In Deutschland fehlen aktuell 1,35 Millionen Wohnungen. Gleichzeitig erreicht die Neubautätigkeit einen historischen Tiefpunkt. Die Prognose für 2026 liegt laut ifo-Institut bei lediglich 185.000 neuen Wohneinheiten.
Diese toxische Kombination aus Rekorddefizit und Bau-Absturz kostet die Volkswirtschaft unmittelbar 0,6 Prozentpunkte beim BIP und mündet in einen Wohlstandsverlust von mindestens einem Prozent. Das geht aus dem Bau-Monitor 2026 hervor, den das Pestel-Institut am Mittwoch in Berlin präsentierte."Es werden so viele Wohnungen gebraucht wie lange nicht.
Und es werden so wenige Wohnungen gebaut wie lange nicht. Beides kommt zusammen: Das ist toxisch – das ist Marktversagen", sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Der Studienleiter und Chef-Ökonom kritisiert die Bundesregierung scharf: "Den Wohnungsbau so abstürzen zu lassen, ist sowohl sozial als auch ökonomisch unverantwortlich.
" Wirtschaftswachstum funktioniere nur mit mehr Wohnungsbau – eine Botschaft, die weder im Kanzleramt noch im Finanzministerium angekommen sei. Die Zahlen sind drastisch: Im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 84.600 Wohnungen und damit über 9 Millionen Quadratmeter Wohnfläche weniger errichtet als noch zwei Jahre zuvor. Den Bau trifft in nur zwei Jahren ein Netto-Umsatzverlust von rund 26,9 Milliarden Euro.
Bei der Umsatzsteuer entgingen dem Staat 5,1 Milliarden Euro, bei der Grunderwerbsteuer 1,9 Milliarden Euro. Der Wohnungsbau könnte laut Günther zum wirtschaftlichen Rettungsanker werden: "Eigentlich müsste Schwarz-Rot durch die aktuelle Wirtschaftskrise und durch die Wohnungsnot gleich doppelt alarmiert sein." Mehr als jeder zehnte Beschäftigte arbeite in der Bau- und Immobilienwirtschaft – 4,73 Millionen Menschen, überwiegend in Vollzeit.
Das seien mehr als doppelt so viele wie in der gesamten Gastronomie und Hotellerie. Besonders angespannt ist die Lage in den Boomregionen. Berlin verzeichnet ein Plus von nahezu 50 Prozent bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit 2010, doch der Neubau habe bei Weitem nicht mitgezogen.
Aktuell fehlen dort mindestens 58.000 Wohnungen. Die Wohnungsknappheit entwickle sich zunehmend zur Beschäftigungsbremse: "Menschen ziehen nicht zum neuen Arbeitsort, wenn sie dort keine Wohnung finden, die sie sich auch leisten können. Arbeits- und Wohnungsmarkt matchen nicht mehr", so Günther.
Verschärfend komme hinzu, dass Deutschland für zugewanderte Arbeitskräfte an Attraktivität verliere. "Gerade Polen, Bulgaren und Rumänen gehen zum ersten Mal wieder verstärkt in ihre Heimatländer zurück", warnt der Ökonom. In den kommenden zwölf Jahren würden jährlich 400.000 Beschäftigte mehr in Pension gehen als junge Menschen nachrücken.
Bemerkenswert sind die Erkenntnisse des Bau-Monitors zu den Kosten der Unterkunft: Die Netto-Kaltmieten, die der Staat über Jobcenter übernehme, seien seit 2015 um über 53 Prozent gestiegen – deutlich stärker als die Inflation mit 32 Prozent. "Der Staat ist zu einem Mietentreiber in Deutschland geworden", bilanziert Günther. Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel, fordert von der Bundesregierung ein "Dynamik-Paket Wohnen macht Wirtschaft": "Der Bund darf keine Zeit mehr verlieren.
Er muss den schwer angeschlagenen Wohnungsbau jetzt massiv unterstützen – den Neubau und die Sanierung." Die geplanten Förderkürzungen bezeichnete sie als "Überdosis Gift für das Bauen und Wohnen in Deutschland". Michael Knüppel vom BDB-Präsidium warnt vor den Konsequenzen: "Immer mehr Neubau-, Sanierungs- und Investitionsvorhaben werden zusammengestrichen oder ganz begraben.
Fachkräfte gehen von Bord – und kommen auf absehbare Zeit auch nicht wieder zurück. Es wird weitere Insolvenzen geben." Konkret fordert der Verband mehr Tempo beim Gebäudetyp-E-Gesetz, den Verzicht auf Baugenehmigungen bei Mehrfamilienhäusern bis zwölf Wohneinheiten sowie eine monatliche Bundesstatistik der Baubeginne.
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