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Gedämpfte Stimmung in Europa

RICS sieht weiteren (leichten) Rückgang

Überraschend: Während einzelne Unternehmen - wie heute beispielsweise Engel & Völkers - bereits wieder von einer Rückkehr der Konjunktur sprechen, sieht die Interessensgemeinschaft der Branche dies - zumindest vorerst - noch ganz anders.

Die Stimmung am europäischen Immobilienmarkt trübte sich zuletzt nochmals etwas weiter ein. Laut dem aktuellen RICS Global Commercial Property Monitor (GCPM) sank der europäische Commercial Property Sentiment Index (CPSI) im dritten Quartal von -4 auf -7 Punkte. Der globale Index legte hingegen leicht zu – von -6 auf -4. Damit zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Märkten: Während der Süden Europas zunehmend positive Signale sendet, bleibt der Norden, darunter auch Deutschland, klar im Minus.

Für Österreich ergibt sich aus dem Stimmungsbild ein vergleichsweise stabiles Umfeld. Der Markt gilt im europäischen Vergleich weiterhin als verlässlich, mit einer soliden Nachfrage in den Bereichen Wohnen, Logistik und alternative Anlageformen. Besonders energieeffiziente Neubauten, Studentenwohnungen und Datencenter entwickeln sich zu bevorzugten Anlagezielen, während der Büromarkt – wie in weiten Teilen Europas – von Strukturwandel und selektiver Nachfrage geprägt ist. Die Leerstandsquote bleibt hierzulande deutlich unter dem europäischen Durchschnitt, was insbesondere Investoren in Wien und Salzburg Planungssicherheit bietet.

Europaweit bleibt die Stimmung jedoch verhalten. Der Nutzerindex (OSI) fiel auf -9, der Investorenindex (ISI) auf -6. Die Nachfrage nach Mietflächen ist nach einer kurzen Erholung wieder rückläufig (-3 %), während die Investitionsnachfrage das fünfte Quartal in Folge leicht positiv bleibt. Gleichzeitig stieg die Leerstandsquote europaweit weiter an – mit besonders deutlichen Zuwächsen im Büro- und Einzelhandelssegment.

Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Vorsitzende des RICS European World Regional Board, sieht ein klares Gefälle: „Das europäische Sentiment zeigt ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. Während Spanien, Portugal und Griechenland von freundlichen makroökonomischen Bedingungen profitieren, bremsen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden strukturelle Unsicherheiten die Marktdynamik.“

Tatsächlich erreicht Spanien mit einem CPSI von +30 derzeit den höchsten Wert in Europa, gefolgt von Portugal (+21) und Griechenland (+15). In Frankreich fällt der Index dagegen auf -40, in Großbritannien auf -11.

In Deutschland hat sich die Stimmung deutlich verschlechtert. Der Gesamtindex sank von -12 auf -19, die Investorenstimmung von -12 auf -17, und die Mieterseite von -11 auf -20. Der Anteil jener, die den Markt in einer frühen Aufschwungphase sehen, fiel von 40 auf 29 Prozent. Besonders schwach zeigen sich die Kapitalwerterwartungen, die von -2 auf -18 Prozent einbrachen. Die Mieterwartungen sanken von +2 auf -14 Prozent, und auch die Kreditkonditionen verschlechterten sich deutlich – von +25 auf 0 Prozent.

Laut RICS-Deutschland-Vorstand Jens Böhnlein MRICS bleibt das Umfeld schwierig: „Strukturelle, wirtschaftliche und regulatorische Hemmnisse bremsen die Entwicklung weiterhin spürbar. Viele Marktakteure verharren im Abwarten, statt neue Investitionen zu starten.“

Für Österreich bedeutet diese europäische Gemengelage, dass der heimische Markt zunehmend als stabiler Anker im europäischen Vergleich wahrgenommen wird. Während in Deutschland und Frankreich der Druck auf Büro- und Einzelhandelsflächen weiter zunimmt, profitieren österreichische Standorte von einer stabilen Nachfrage, überschaubarem Leerstand und langfristig orientierten Investoren.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 20. November 2025 - zuletzt bearbeitet am 17. Dezember 2025


GR
AutorGerhard Rodler
Tags
Österreich
Deutschland
index
Frankreich
RICS

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