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Lage, Lage, Lage, war gestern

Stimmt nicht. Sie entscheidet nach wie vor über den Erfolg von Immobilienprojekten. Sie wird nur anders definiert. Adresse und Mikrolage sind zu wenig.
In diesem Artikel geht es nicht nur um Wohnimmobilien. Es geht um alle Arten von Gebäuden, denn die Herausforderungen der Zukunft treffen alle. Die Lagebeurteilung ist vielschichtiger und komplexer geworden. Klimawandelanalysen und daraus ableitbare Investitionen in Resilienz sind ein Thema, aber nicht das einzige. Verkehrsinfrastruktur? Energie- und Wasserversorgung? Einbindung in die Umgebung, um Herausforderungen wie Fachkräfteverfügbarkeit oder erweiterte Geschäftsmöglichkeiten lösen zu können? Dateninfrastruktur? Attraktivität für zukünftige Mieter? Motivation für Finanzierung? Wertentwicklung? Genehmigungs- und Bewilligungsverfahren? Zustimmung der Anrainer:innen? Grünland, versiegelte Flächen, Bestandsgebäude und deren Entwicklungsmöglichkeiten? All das sind Themen, die in eine Standortentscheidung einfließen sollten, egal, was saniert oder gebaut wird. Lagequalität entsteht im Zusammenspiel von Gebäude, Umgebung, Regulatorien und Infrastruktur.

Wir dürfen aufhören, ein Gebäude als Solitär mit Adresse zu betrachten. Auch auf der EXPO finden wir viele Präsentationen mit Kennzahlen, Zertifikaten und Renditeerwartungen. Eine erfolgreiche Zukunft wird aber nicht dem funkelnden Solitär gehören, sondern dem auch unter Stress funktionierenden Puzzlestein in einem robusten Umfeld.

Ein schönes Beispiel für die erweiterte Definition von Lage zeigt gerade der Hype um Rechenzentren. Dass Energieversorgung und Glasfaseranbindung in hohem Maß funktionieren müssen, liegt auf der Hand. Das reicht aber bei Weitem nicht aus. Wie steht die Bevölkerung zu dem Projekt? Können berechtigte Ängste genommen werden? Wie sieht es mit Genehmigungen aus? Kann so flexibel errichtet und ausgestattet werden, dass Marktveränderungen, zum Beispiel bei Künstlicher Intelligenz, abgefangen werden können? Welche Kühlmöglichkeiten gibt es? Ist mit dem Standort eine langfristige Finanzierung möglich? Und vor allem: Was passiert mit der Abwärme, kann daraus ein zusätzliches Geschäftsmodell entstehen?

Die heutige Immobilienwirtschaft weiß mehr als je zuvor. Das ist schön, aber anstrengend. Alle vorhandenen Informationen zu sammeln, zusammenzufügen, in einen Kontext zu stellen, Abhängigkeiten zu definieren und Entscheidungen zu treffen, erfordert mehr Aufwand als früher.

Lage, Lage, Lage war gestern nicht falsch. Morgen wird Lage mehr bedeuten müssen als Adresse, Image und Aussicht. Lagequalität wird zukünftig durch die Einbettung in eine resiliente Umgebung und eine robuste Infrastruktur bestimmt. Sie wird entscheiden, ob Immobilien langfristig werthaltig bleiben oder nur gut gelegen altern.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 07. Oktober 2026 - zuletzt bearbeitet am 07. Oktober 2026


PE
AutorPeter Engert
Tags
zukunft
Infrastruktur
Wohnimmobilien
Investitionen
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