Prolongationswelle erfasst Baufinanzierungsmarkt
Bis zu 94 Milliarden Euro an Anschlussfinanzierungen in Deutschland
Anschlussfinanzierungen entwickeln sich zum bestimmenden Faktor, nicht nur im österreichischen sondern auch am deutschen Baufinanzierungsmarkt. Laut der aktuellen Prolongationsstudie 2026 der Strategieberatung Simon-Kucher erreichen sie in Deutschland ein jährliches Volumen von bis zu 94 Milliarden Euro. Die Welle, die das Beratungshaus bereits im Vorjahr mit einem Gesamtvolumen von rund 555 Milliarden Euro bis 2031 prognostiziert hatte, ist damit im Markt angekommen.
"Viele Marktteilnehmer interpretieren die steigenden Baufinanzierungsvolumina als Erholung des Neugeschäfts. Wir konnten jedoch sehen, dass ein erheblicher Teil dieser Entwicklung bereits durch Anschlussfinanzierungen getrieben wird", sagt Steven Kiefer, Partner bei Simon-Kucher. Für Regionalbanken werde die professionelle Bearbeitung dieser Prolongationen zunehmend zum entscheidenden Hebel für Kundenbindung und Margensicherung.
Die Herausforderung liegt im Zinsumfeld. Zahlreiche Finanzierungen wurden in der Niedrigzinsphase abgeschlossen und müssen nun zu deutlich höheren Konditionen verlängert werden. Ein Rechenbeispiel aus der Studie verdeutlicht die Dimension: Wer Anfang 2016 ein Darlehen über 300.000 Euro zu 1,85 Prozent Sollzins aufgenommen hat, zahlte bislang rund 962 Euro monatlich.
Bei einer Prolongation zu 4,35 Prozent steigt die Rate auf rund 1.239 Euro."Für viele Kunden ist die Anschlussfinanzierung erstmals seit Jahrzehnten keine reine Formalität mehr, sondern eine neue finanzielle Grundsatzentscheidung", erklärt Hendrik Tacke, Director bei Simon-Kucher. Wer diese Situation nicht aktiv begleite, riskiere, dass Kunden Vergleichsangebote einholten und wechselbereit würden.
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