Innovativer Weg zur Baukostensenkung
Vergessener Bautyp als Modell für morgen
Ein Schlüssel zu niedrigeren Baukosten findet sich in der Vergangenheit. Nicht nur, aber auch. Das alte Berliner Mietshaus führt - übrigens wie auch das klassische Wiener Zinshaus - zur Wiederentdeckung eines nachhaltigen Bautyps.
Ein aktuell erscheinendes Fachbuch widmet sich der typischen Berliner Mietshausarchitektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Obwohl dieser Gebäudetypus über Generationen hinweg eine hohe städtebauliche Dichte und Flexibilität bewiesen hat, spielt er in der aktuellen Planung von Neubauquartieren kaum noch eine Rolle. Die Publikation analysiert die Konstruktionsmerkmale, die Anpassungsfähigkeit der Grundrisse für Wohn- und Gewerbenutzungen sowie die materielle Dauerhaftigkeit, die diese gründerzeitlichen Strukturen bis heute auszeichnen. Zudem setzt sich das Werk kritisch mit den historischen und aktuellen ideologischen Debatten auseinander – von der einstigen Kritik an der „steinernen Stadt“ bis hin zu modernen Diskussionen über die Gentrifizierung.
„Gerade unter den heutigen Anforderungen an Verdichtung, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gewinnt dieser Bautyp neue Aktualität. Die im 19. Jahrhundert entwickelten Häuser zeigen, wie sich weitsichtige Investitionen durch lange Lebensdauer, Reparaturfähigkeit und kontinuierliche Anpassung rechtfertigen lassen. Sie verbinden serielles Bauen mit architektonischer Individualität und schaffen zugleich jene urbane Dichte, die eine funktionierende Stadt ausmacht. Dieses Vorbild gilt es auf heutige Bauweisen zu übertragen um mit vergleichbarer Effizienz und mit ebenso beschränkten Mitteln dennoch schöne Stadt zu bauen“, erklärt Tobias Nöfer, AIV-Vorstandsmitglied und Mit-Herausgeber des Buches.
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