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Zinshaus trotzt der Krise

Stabile Preise, Unsicherheit bleibt

Der Wiener Zinshausmarkt zeigt sich trotz Iran-Krieg, Inflation und schwieriger Finanzierung erstaunlich widerstandsfähig. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut aktuellem Marktbericht von Otto Immobilien 418 Millionen Euro umgesetzt. Das sind zwar 18 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025, gegenüber dem zweiten Halbjahr des Vorjahres beträgt das Minus aber lediglich drei Prozent. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis blieb mit 3.269 Euro stabil.

„Der Sexappeal der Robustheit und Widerstandsfähigkeit wird immer wieder geprüft“, sagt Eugen Otto, Geschäftsführer von Otto Immobilien. Eine solide Prognose sei derzeit kaum möglich, zu groß sei die Abhängigkeit von externen Faktoren. Sollten sich Erwartungen weiterer Zinsschritte bewahrheiten, würde sich das negativ auf den Zinshausmarkt auswirken. Dennoch sei man „verhalten zuversichtlich“.

Die Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf die inneren Bezirke. Rund zwei Drittel des Transaktionsvolumens wurden innerhalb des Gürtels erzielt. Besonders gefragt sind laut Philipp Maisel, Leiter Investment bei Otto Immobilien, Häuser mit hohem Leerstand und einem hohen Anteil befristeter Mietverträge. „Häuser, die dem entsprechen, sind gut vermarktbar.“ Gleichzeitig tauchen zunehmend neue Investoren in den Grundbüchern auf, darunter viele Unternehmer aus den Bundesländern. „Das hält den Markt ganz gut in Atem“, so Maisel.

Bei den Einstiegspreisen gab es unter anderem im 4., 6., 10. und 14. Bezirk Rückgänge. Maisel führt dies vor allem auf verkaufte Häuser mit einem hohen Anteil unbefristeter Mietverträge zurück. Der 10. Bezirk ist derzeit der günstigste Bezirk Wiens. Vor der Zinswende hatte er noch besonders hohe Preissteigerungen verzeichnet.

Parallel schrumpft das Angebot. Nur noch 13.216 Gründerzeit-Zinshäuser zählt Otto Immobilien in Wien. Seit 2009 ist der Bestand damit um knapp 15 Prozent gesunken. „Seit der schwierigen Entwicklung ist das Parifizieren der Way-out“, erklärt Otto. Der Markt sei gleichzeitig „hungrig nach Eigentumswohnungen“. Der Wunsch nach Eigentum nehme insbesondere ab einem Alter von rund 30 Jahren deutlich zu.

Für Otto bleibt das Wiener Zinshaus dennoch mehr als ein reines Investmentprodukt: „Bei einem Wiener Zinshaus spielen auch Emotionen eine große Rolle.“ Gerade Eigentümer, die Häuser über Generationen weitergeben, würden anders entscheiden als rein renditeorientierte Investoren. Und auch von Banken oder Masseverwaltern erwartet Otto keine Verkaufswelle: „Die Banken fahren weiter auf Sicht. Der Markt wird nicht überschwemmt.“

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 29. September 2026 - zuletzt bearbeitet am 29. September 2026


SP
AutorStefan Posch
Tags
Eugen Otto
philipp maisel
Otto Immobilien
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