Die Talsohle bei den Liegenschaftspreisen in Österreich ist durchschritten. Nach zwei Jahren rückläufiger Notierungen stiegen die Preise für Wohneigentum im Vorjahr um 1,0 Prozent und zogen im ersten Halbjahr um weitere 1,8 Prozent an. Außerhalb Wiens markierten die Werte im zweiten Quartal ein neues Allzeithoch. Für das Gesamtjahr prognostiziert der aktuelle Marktausblick von Raiffeisen Research, Raiffeisen WohnBau und der Raiffeisen Bausparkasse ein nominelles Plus von rund 2,5 Prozent.
„Auf dem Immobilienmarkt hat sich durch das geänderte Zinsumfeld ein Klimawandel vollzogen“, erklärt Matthias Reith, Senior Ökonom für den österreichischen Wohnimmobilienmarkt bei Raiffeisen Research. Zwar stützen Realeinkommen und Zuzug die Nachfrage, die Zinspolitik dämpfe jedoch die Dynamik. Zudem befindet sich das Baugewerbe laut Reith in einer „Marathon-Rezession“. Für das kommende Jahr werden bundesweit nur noch rund 32.000 neu errichtete Tops fertiggestellt – nach fast 62.000 Einheiten im Spitzenjahr 2021.
Gerhild Bensch-König, Geschäftsführerin von Raiffeisen WohnBau, verweist auf die Zuspitzung in der Bundeshauptstadt: Wurden bis 2022 jährlich rund 20.000 Wohnungen realisiert, sank das Volumen auf 9.700 Einheiten und schrumpft im kommenden Jahr voraussichtlich auf 8.200 Einheiten. Das Absatzniveau liege bei rund 60 Prozent des Rekordjahres 2022, da strenge Eigenkapitalanforderungen für viele Wohnungssuchende eine spürbare Hürde darstellen.
Infolge der Verknappung verlagert sich die Nachfrage auf Bestandsobjekte. Bei der Raiffeisen Bausparkasse kletterte das Finanzierungsvolumen in den ersten drei Quartalen um knapp 20 Prozent auf 653,9 Millionen Euro. 73 Prozent dieser Mittel flossen in Erwerb, Sanierung oder Umbau bestehender Liegenschaften. Christian Vallant, Geschäftsführer der Raiffeisen Bausparkasse, sieht darin ein nachhaltiges Marktmodell: Da über die Hälfte der Ein- und Zweifamilienhäuser zwischen 1960 und 2000 errichtet wurde, liege hier der größte Hebel zur Wohnraumschaffung.