Immomedien
ImmoflashAusgabe 3. Juni 2026
Nächstes Jahr kommt der Bundestag nach Salzburg
Worauf sich die Branche (noch) einstellen muss

Bundesimmotag: Heiter bis bewölkt

Passend zum Wetter hier in Bad Ischl: Der zweitägige 51. Bundesimmobilientag endete mit einer kalten Dusche, aber mit durchaus sonnigen Aussichten. Wirtschaftswissenschafter Christoph Badelt zeichnete auf der heute zu Ende gehenden Jahresveranstaltung der WKO ein Bild der österreichischen Wirtschaft, das für Immobilienprofis hochrelevant ist – ohne dramatische Rezessionsrhetorik, aber mit klaren Warnsignalen für Standort, Finanzierung und Baukonjunktur. Österreich bewege sich nach den Krisenjahren zwar wieder „im Bereich des Normalen“, doch Wachstum von rund einem Prozent treffe auf hohe Schulden, teures Geld und eine alternde Gesellschaft. Genau diese Kombination definiert die Rahmenbedingungen für Investoren, Entwickler und Nutzer.Im internationalen Vergleich verweist Badelt auf eine schwache europäische Konjunktur mit einem besonders angeschlagenen Deutschland. Exportindustrien verlieren Dynamik, parallel liegen die Produktivitätszuwächse unter dem EU-Schnitt, während Lohnstückkosten über den EU-Schnitt kräftig steigen. Die monatlichen Konjunkturtests liefern dazu das Stimmungsbild. In der Industrie waren die Erwartungen bislang eher überdurchschnittlich, liegen jetzt klar im negativen Bereich. Die Bauwirtschaft zeigt ein gespaltenes Bild: Betriebe mit „bis Weihnachten vollen“ Auftragsbüchern stehen jenen gegenüber, die „fürchterlich“ kämpfen. In Summe überwiegt (für die anwesenden Immobilienprofis teils überraschend) am Bau noch der Optimismus, doch die Knicke in den Erwartungen signalisieren, dass der Boom selektiv geworden ist. Tatsächlich nährt sich die Bauwirtschaft aktuell überwiegend aus Infrastrukturbauten und öffentlichen Aufträgen.  Im Dienstleistungssektor sind die Erwartungen zuletzt ins Negative gerutscht. Investitionsentscheidungen werden damit vorsichtiger, Projektanläufe selektiver.Besonders immobiliennah ist Badelts Analyse von Arbeitsmarkt und Inflation. Historisch hohe Beschäftigung trifft auf sinkende Arbeitszeit pro Kopf und kräftig steigende Lohnkosten. In den aktuellen Inflationsdaten rücken Dienstleistungen als Haupttreiber in den Vordergrund – also genau jene Bereiche, in denen Bau, Handwerk, Facility Management und viele immobiliennahe Services verankert sind. Badelt erwartet eher ein Einpendeln der Teuerung bei drei bis vier Prozent. Für Projekte heißt das: Bau- und Betriebskosten bleiben strukturell unter Aufwärtsdruck.Die schärfste Aussage für die Branche liefert Badelt jedoch über die Staatsfinanzen. Eine Ausgabenquote von rund 56 Prozent des BIP und Einnahmen von über 52 Prozent lassen wenig Zweifel, dass der fiskalische Spielraum enger wird. Von jedem verdienten Euro fließt im Schnitt etwa die Hälfte durch staatliche Kassen. Badelt macht klar: Selbst ein Defizit von drei Prozent des BIP stabilisiert die Schuldenquote nicht, sondern erhöht sie weiter. Zur echten Stabilisierung bräuchte es näher zwei Prozent; und zusätzlich jährliche Schritte zum Schuldenabbau. Wird jetzt nicht sofort mit durchaus unangenehmen Einschnitten das Budget saniert, kommt es in längstens einem Jahrzehnt "dicke".Damit rücken demografische Ausgabenblöcke ins Zentrum. Pensionen, Gesundheit und Pflege fressen sich in die Budgets, das Gesundheitswesen wird zur großen Wachstumsmaschine der öffentlichen Ausgaben. Für die Immobilienbranche steckt darin eine doppelte Botschaft: Einerseits entsteht langfristig Bedarf nach Gesundheits-, Pflege- und Sozialinfrastruktur. Andererseits engen diese Pflichtausgaben den Spielraum für andere investive Budgets ein.Badelt schließt mit einer Reformapell: eine Pensionsreform mit höherem faktischem Antrittsalter, eine Gesundheitsreform mit effizienteren Strukturen, eine bereinigte Förderlandschaft und eine Regulierung, die wirtschaftliche Dynamik nicht abwürgt. Und mit einem denoch sonnigen Ausblick: Trotz aller Energie-Unsicherheiten stehen die Chancen, dass wir an einer neuerlichen echten Wirtschaftskrise vorbeischrammen und auch die Zinsen im aktuellen Korrdior bleiben recht gut. Also kann man durchaus beruhigt ins Wochenende.Der Bundesimmobilientag 2027 findet dann im Bundesland Salzburg statt.
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