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„Ein Netzwerk muss gelebt werden“

Porträt | Bernhard Reikersdorfer

Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von Re/Max Austria, ist überzeugt, dass nachhaltiger Erfolg in der Immobilienbranche lange vor dem eigentlichen Abschluss entsteht. Im Gespräch wird schnell klar, was bei ihm im Mittelpunkt steht: der Mensch.
Porträt | Bernhard Reikersdorfer

Wenn Bernhard Reikersdorfer spricht, geht es nicht um Objekte, Preise und Abschlüsse. Wenn er von seinen Erfolgen erzählt, geht es schnell um etwas anderes: um menschliche Bindung, um Vertrauen und Sichtbarkeit. Vielleicht erklärt gerade das, warum Re/Max in Österreich heute eine so starke Stellung hat.

„Das Wichtigste ist, dass man sich in den Köpfen der Menschen verankert“, sagt Reikersdorfer. Wer eine Immobilie verkaufen wolle, müsse im entscheidenden Moment präsent sein. Nicht irgendwann, nicht theoretisch – sondern genau dann, wenn Menschen ein Immobilienthema haben. Dann stellt sich die Frage: „Wo gehe ich hin? Wer fällt mir ein?“

Dass Re/Max diese Präsenz in Österreich erreicht hat, macht Reikersdorfer an einer Zahl fest, auf die er sichtlich stolz ist: 59 Prozent spontane Bekanntheit. Anders gesagt: Sechs von zehn Österreicherinnen und Österreichern nennen laut aktueller market INSTITUT-Umfrage Re/Max spontan, wenn sie an einen Immobilienverkauf bzw. -kauf denken. Für ihn ist das mehr als ein Marketingwert. Es ist der Beleg dafür, dass das Netzwerk über viele Jahre hinweg ganze Arbeit geleistet hat. Nicht nur die Zentrale, betont er, sondern „das gesamte Netzwerk“ habe es geschafft, die Marke in den Köpfen der Menschen zu verankern.

Dabei führt er diesen Erfolg nicht auf einen einzigen Faktor zurück. Natürlich sei das Re/Max-Logo von Anfang an auffällig gewesen, „der Rot-Weiß-Blaue Ballon, der Schriftzug“, sagt er. Entscheidend sei aber gewesen, dass nicht nur Re/Max Austria Aktivitäten gesetzt habe, sondern auch die Büros und Makler in den Regionen. Sehr gute Arbeit vor Ort, gute Sichtbarkeit — anders funktioniere Markenaufbau nicht. Ohne die Menschen draußen in den Regionen, macht Reikersdorfer klar, wäre Re/Max nie zu dem geworden, was es heute ist.

Der Reiz des Vertriebes

Als sein Vater Alois 1999 Re/Max nach Österreich brachte, war Bernhard Reikersdorfer 27 Jahre alt. Bereits zuvor hat er die Anfänge des Familienunternehmens erlebt, die Jahre mit „Immobilien Reikersdorfer“, dann die Entwicklung mit der Marke Re/Max – zuerst als Makler, später als Bürobetreiber und seit 2006 in der Führung von Re/Max Austria.

Dass er einmal in diesem Bereich landen würde, sei für ihn immer klar gewesen. Im Unterschied zu seinem Bruder, der früher überzeugt gewesen sei, dass er „das sicher nicht“ machen werde, habe er selbst sich immer vorstellen können, in die Fußstapfen des Vaters zu treten — auch wenn der genaue Weg zunächst noch offen war.

Reikersdorfer erzählt, wie er ihn schon früh begleitet habe, zunächst in anderen beruflichen Kontexten, später im Immobiliengeschäft. „Was der Papa gemacht hat, hat mir immer getaugt“, sagt er offen. Der Reiz lag für ihn nicht nur im Verkaufen selbst, sondern im Umgang mit Menschen, in der Kommunikation, im Vertrieb ganz allgemein. Das klingt nicht nach kalkulierter Karriereplanung, sondern nach einer frühen, fast selbstverständlichen Hinwendung zu einem Feld, das ihn von Anfang an fasziniert hat.

Familie als Fundament

Die Geschichte der Familie Reikersdorfer ist auch eine Geschichte unternehmerischen Muts. Reikersdorfer schildert sie ohne Pathos, aber mit großer Hochachtung vor seinem Vater. Der habe zunächst den Schritt aus einer sicheren, erfolgreichen beruflichen Laufbahn in der Automobilwirtschaft in die Selbstständigkeit gewagt. Später sei mit der Einführung von Re/Max in Österreich das nächste große Risiko gekommen: eine internationale Marke am heimischen Markt aufbauen, Strukturen schaffen, investieren, bevor klar war, wie schnell sich das Modell tragen würde.

Er beschreibt diese Jahre als herausfordernd. Es sei nicht um Monate gegangen, sondern um Jahre, in denen man erst einmal den Break-even erreichen habe müssen. Man hört in seinen Schilderungen Respekt vor jener Generation, die mit Hauskredit, Familie und Verantwortung im Rücken trotzdem den Mut hatte, Neues aufzubauen.

Mindestens ebenso wichtig wie der Mut sei aber etwas anderes gewesen: Vertrauen. Sein Vater habe ihm früh Verantwortung übertragen und ihn dann auch machen lassen. „Wenn man diesen Weg geht, dann muss man Vertrauen schenken“, sagt er. Und genau das habe der Vater getan. Er habe nicht jede Entscheidung kommentiert und nicht ständig gesagt, was man besser oder anders machen müsse. „Das Vertrauen hat er mir zu 100 Prozent geschenkt“, sagt Reikersdorfer.

Gerade in Familienunternehmen, das klingt bei ihm deutlich an, ist das alles andere als selbstverständlich. Heute, da er selbst Verantwortung trägt und Führungsaufgaben verteilt, sieht er noch klarer, wie groß diese Leistung eigentlich war. Verantwortung abzugeben und zuzulassen, dass andere Dinge anders machen, sei oft schwieriger, als man glaube. „Viele Wege führen zum Ziel“, sagt er. Genau das habe sein Vater vorgelebt.

Auch das Zusammenspiel innerhalb der Familie beschreibt Reikersdorfer als Mischung aus Nähe und klarer Rollenteilung – Bruder, Schwester, er selbst - alle seien eingebunden, aber jeder in seinem Bereich. Sein Bruder und er verantworten die Geschäftsführung, und jeder könne Input geben. Entscheiden müsse am Ende aber derjenige, der den Bereich verantwortet. Das klingt nicht nach Familienromantik, sondern nach professioneller Klarheit – und vielleicht gerade deshalb nach einem Modell, das funktioniert.

Wachstum mit Bodenhaftung

Heute umfasst das Netzwerk von Re/Max Austria 125 Büros und mehr als 650 Maklerinnen und Makler. Reikersdorfer sagt, man sei „wirklich sehr, sehr zufrieden“ mit dieser Entwicklung. Gerade in den vergangenen Jahren, in der in Teilen der Branche eher zurückgebaut wurde, sei Re/Max weitergewachsen. Dass das Unternehmen zuletzt sogar sein bestes Jahr der Geschichte verzeichnete, sagt er doch mit erkennbarem Stolz.

Die Gründe dafür sieht er in mehreren Ebenen. Da sei zum einen die starke Marke, die geholfen habe, auch in herausfordenden Marktphasen sichtbar zu bleiben. Zum anderen sei Re/Max als Franchise-System in einer besonderen Position gewesen. Während andere bei Werbung und Marketing und und Weiterentwicklung gespart hätten, habe man vieles „eins zu eins weiterfahren“ können. Man habe sich bewusst dafür entschieden, antizyklisch zu investieren. Reikersdorfer beschreibt das als klare strategische Entscheidung: nicht leiser werden, wenn das Umfeld nervös wird, sondern präsent bleiben.

Dazu komme, dass viele Partner im System bereits lange dabei sind. Wer seit zwanzig Jahren oder länger im Geschäft sei, kenne eben nicht nur die Aufwärtsbewegung des Marktes, sondern auch Phasen, in denen es schwieriger werde. Gerade diese Erfahrung habe dem Netzwerk geholfen. Andere Unternehmen, die nur Boomjahre gekannt hätten, seien von den Verwerfungen härter getroffen worden.

Trotz aller Wachstumszahlen bleibt bei Reikersdorfer der Eindruck eines bodenständigen Unternehmers. Er spricht nie so, als sei Größe allein schon ein Wert. Vielmehr betont er, dass erfolgreiche Büros und erfolgreiche Makler:innen das eigentliche Ziel seien. „Wenn die Büros erfolgreich sind und die Makler erfolgreich sind, dann geht es uns auch gut“, sagt er. Es nütze nichts, irgendwo eine Lizenz zu vergeben, wenn der Standort am Ende nicht funktioniere. Wachstum dürfe nie Selbstzweck sein.

Gemeinschaftsgeschäft
als Stärke

Besonders lebendig wird Reikersdorfer, wenn er über das Thema Zusammenarbeit spricht. Das Gemeinschaftsgeschäft, also die Kooperation zwischen Maklerinnen und Maklern innerhalb des Netzwerks, ist für ihn keine Randnotiz, sondern ein zentrales Erfolgsprinzip. Und es ist jener Punkt, an dem sich der Charakter von Re/Max wohl am deutlichsten zeigt. „Ein Netzwerk muss man leben“, sagt er. Der Satz fällt im Gespräch fast beiläufig, ist aber eigentlich ein Schlüssel zum gesamten System. Netzwerke existierten nicht dadurch, dass man formell dazugehöre. Sie funktionierten nur, wenn Menschen einander kennen, einander mögen, einander vertrauen und bereit sind, miteinander Geschäft zu machen. Reikersdorfer beschreibt das sehr anschaulich. Menschen machen „gerne Geschäfte mit Menschen, die sie kennen und mögen“. Genau deshalb seien persönliche Treffen so wichtig. Re/Max setzt deswegen auf regelmäßige Zusammenkünfte: Treffen der Bürobetreiber, regionale Veranstaltungen, die große Convention in Linz. Man müsse sich sehen, austauschen, ein Gefühl füreinander entwickeln. Das Volumen, das allein durch Kooperations- und Gemeinschaftsgeschäfte zustande komme, sei beträchtlich — und aus seiner Sicht noch längst nicht ausgeschöpft. Für ihn ist das einer der größten Vorteile eines funktionierenden Netzwerks.

Gelebte Netzwerkkultur

Auch die Re/Max Convention ist für Reikersdorfer deshalb weit mehr als eine Pflichtveranstaltung. Sie ist ein sichtbarer Ausdruck dieser Netzwerkkultur. Dort gehe es natürlich um Fachthemen, um Vorträge, um Marktentwicklungen. Aber eben auch um etwas, das im Geschäftsalltag oft zu kurz komme: Anerkennung und Wertschätzung.

Gerade die Awardverleihungen seien für viele ein ganz besonderer Moment. Man spüre Nervosität, Stolz, Anspannung. „Daran sieht man, wie wichtig Anerkennung für Menschen ist. Leistung wird sichtbar gemacht, und genau das stärkt die Bindung an das Netzwerk“, erklärt er. Was bleibt, ist der Gedanke, dass ein Netzwerk von Austausch und Wertschätzung lebt. Und dieser Gedanke ist bei Reikersdorfer deutlich stärker als jeder Showeffekt.

Empathie als Erfolgsrezept

Bemerkenswert ist, wie konsequent Reikersdorfer die menschliche Seite der Immobilienvermittlung betont. Er spricht nicht über den Markt, als sei er ein abstraktes System aus Angebot und Nachfrage. Vielmehr erinnert er daran, dass hinter vielen Verkäufen persönliche Einschnitte stehen: finanzielle Schwierigkeiten, Scheidungen, Erbschaften, Todesfälle. Immobilien kämen oft nicht aus erfreulichen Gründen auf den Markt. Gerade deshalb, so seine Überzeugung, seien Menschlichkeit und Empathie unersetzlich. Menschen wollen gehört werden. Man müsse sich hinsetzen, reden, zuhören – manchmal mehrfach, manchmal lange, manchmal über Dinge, die zunächst gar nichts mit dem eigentlichen Verkauf zu tun hätten. Das ist für Reikersdorfer keine sentimentale Randbemerkung, sondern fast ein Zukunftsmodell für die Branche. „Unternehmen, die Menschlichkeit nicht nur behaupten, sondern tatsächlich leben, profitieren letztendlich am meisten“, ist er überzeugt.

Auch bei der Digitalisierung denkt er ähnlich. Re/Max sei hier immer weit vorne gewesen, sagt er, und digitale Prozesse seien selbstverständlich wichtig. Aber man dürfe Kund:innen nicht in nur eine Schiene zwingen. Wenn die Prozesse lieber digital abgewickelt werden wollen, müsse der Makler das anbieten können. Wer Unterlagen lieber auf Papier unterschreibe, müsse ebenso gut betreut werden. Reikersdorfer denkt Technologie nicht als Gegensatz zum Menschlichen, sondern als Werkzeug, das sich dem Kunden anpassen muss – nicht umgekehrt. Auf die Frage, wo er sich in zwanzig Jahren sieht, antwortet Reikersdorfer nicht wie jemand, der einem klassischen Ruhestand entgegensieht. Mit 73 oder 74 einfach daheim zu sitzen und sich zu fragen, was man heute mache, das sei „nicht mein Naturell“, sagt er: „Irgendeiner spannenden Aufgabe werde ich mich immer widmen.“

Fußball als Leidenschaft

Dass man ihm das glaubhaft abnimmt, liegt auch an seiner zweiten großen Leidenschaft: dem Fußball. Reikersdorfer ist seit vielen Jahren tief in diesem Bereich verwurzelt, aktuell auch in einer Vorstandsrolle bei SKU Ertl Glas Amstetten. Wenn er darüber spricht, wird schnell klar, wie eng für ihn Sport und Beruf zusammenhängen. „Teamsport sei eine großartige Schule für das Berufsleben. Man lernt, gemeinsam zu gewinnen und zu verlieren, verschiedene Charaktere zu führen, unterschiedliche Menschen unterschiedlich anzusprechen“, erklärt er. Nicht jeder reagiere auf dieselbe Art. Der eine brauche Druck, der andere Zuspruch, ein dritter funktioniere nur, wenn man ihn in Ruhe lasse. Für Reikersdorfer ist das im Unternehmen nicht anders als im Sport.

Vielleicht ist genau das am Ende die treffendste Beschreibung seiner Person: jemand, der Strukturen und Zahlen im Blick hat, aber immer vom Menschen her denkt. Einer, der ehrgeizige Ziele formuliert, aber nie die Bodenhaftung verliert. Einer, der in einer großen Marke arbeitet, aber vor allem an das Zwischenmenschliche glaubt. „Die Bindung zwischen Menschen ist aus meiner Sicht das Um und Auf, auch für den Erfolg eines Maklers.“ Und womöglich liegt hier darin das Erfolgsmodell von Bernhard Reikersdorfer und Re/Max Austria.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 18. Mai 2026 - zuletzt bearbeitet am 18. Mai 2026


SP
AutorStefan Posch
Tags
Re/Max
Menschen
Österreich
Makler
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Markt
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