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Round Table: Zukunft E-Mobility

Round Table

Die Elektromobilität gilt als Schlüssel zur Verkehrswende – doch im urbanen Raum entscheidet sich ihr Erfolg nicht auf der Straße, sondern in den Garagen. Ein Round Table von Immobilien Magazin, Building Times und Wien Energie zeigt, warum gerade Mehrparteienhäuser entscheidend für die Transformation sind.
Die Mobilitätwende ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern bereits in der Gegenwart angekommen. Die Zulassungszahlen von E-Autos steigen in ganz Österreich stark an und damit auch die Nachfrage nach Lademöglichkeiten. Was im ländlichen Raum mit einer Steckdose in der Garage leicht zu bewerkstelligen ist, ist in den Ballungszentren schon eine größere Herausforderung. Zwar gibt es in Wien bereits ein sehr engmaschiges öffentliches Ladeangebot und die Zahl an Ladepunkten steigt weiter-, aber um das Angebot flächendeckend für die zu erwartende Anzahl an E-Autos zu gewährleisten, braucht es einen Ausbau auch abseits des öffentlichen Raums.

Mehrparteienhäuser als Lösung

Die Lösung sind Ladepunkte in den Garagen von Mehrparteienhäusern. Für Klaus Katschinka, Business Developer E-Mobility bei Wien Energie, liegt genau hier der entscheidende Hebel: „Aus unserer Sicht ist das Laden zu Hause für die Mobilitätswende absolut essenziell. Wir haben allein in Wien rund 400.000 Stellplätze in Wohngebäuden – das ist ein riesiges Potenzial.“ Doch um dieses Potenzial zu heben, müssen noch einige Herausforderungen bewältigt werden, etwa das Lastmanagement. „Wir müssen unsere Netze auf die Lastspitzen auslegen – nicht auf den Durchschnitt“, erklärt Sabine Kubicek, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den Wiener Netzen. Das bedeutet: Selbst, wenn Photovoltaik im Sommer Entlastung bringt, muss die Infrastruktur für den Winter dimensioniert werden“, sagt Kubicek.

Dass die Herausforderungen nicht nur technischer Natur sind, betont Architekt und Sachverständiger Johann Kaiser: „Das Thema ist wahnsinnig komplex – von Recht über Technik bis zur Infrastruktur. Aber das eigentliche Problem ist: Es fehlt der Gesamtplan.“ Seine Kritik richtet sich vor allem an die mangelnde Koordination: „Wir diskutieren einzelne Aspekte, aber niemand führt das Ganze zusammen.“

Bestand als Herausforderung

Michaela Reiter-Benesch, Geschäftsführerin der ARWAG Immobilientreuhand, schildert die Situation entlang des gesamten Lebenszyklus einer Immobilie: „Wir planen Projekte Jahre im Voraus – lange bevor wir wissen, wie sich die Nachfrage nach Ladestationen entwickelt.“ Während Neubauten mittlerweile oft bereits mit Ladeinfrastruktur ausgestattet werden, liege die größte Herausforderung im Bestand. „Wir müssen nachrüsten – und das ist technisch, rechtlich und organisatorisch deutlich aufwendiger.“ Ein zentrales Problem sei dabei die Praxis der Einzelinstallationen: „Die größte Gefahr ist, dass einfach Wallboxen montiert werden – ohne Gesamtkonzept.“ Das führt zu Problemen bei Brandschutz, Netzbelastung und Haftung.

Gemeinschaftsanlage statt Einzellösungen

Die Gemeinschaftsanlage ist der Lösungsansatz, der sich durch die gesamte Diskussion zog. Das bedeutet: Ein zentral geplantes und betriebenes Ladesystem für die gesamte Garage. „Im Mehrparteienhaus funktioniert das gut, wenn es eine Instanz gibt, die über alle Ladepunkte den Überblick hat und die verfügbare Leistung optimal verteilt“, so Katschinka. Nur so lasse sich ein funktionierendes Lastmanagement aufbauen, das auch für zukünftige Anforderungen vorbereitet ist – wie etwa Vehicle to Grid.

Damit rückt ein weiteres Schlüsselthema in den Fokus: Smart Grids und Flexibilität. „Ein wesentlicher Punkt ist die intelligente Steuerung von Lasten“, so Kubicek. Langfristig gehe es darum, Verbrauch und Erzeugung besser zu koordinieren – etwa durch standardisierte Kommunikationsprotokolle.

Gerhard Los von der Hauskunft Wien sieht bei der Nachfrage der Eigentümergemeinschaften noch Luft nach oben. „In Eigentümerversammlungen wird das Thema oft vertagt – solange der Druck noch nicht groß genug ist.“ Das Interesse sei noch begrenzt: „In vielen Sanierungskonzepten spielt E-Mobilität aktuell noch eine untergeordnete Rolle.“ Aktuell werde die Hauskunft vor allem bei Fragen über thermische Sanierung oder Heizungsumstellung eingebunden – E-Mobilität ist selten ein zentrales Thema. Grund ist oft die Finanzierung: „Nach einem Heizungstausch oder einer thermischen Sanierung fehlt vielen Eigentümergemeinschaften schlicht die finanzielle Kraft für zusätzliche Investitionen“, erklärt Los. Katschinka sieht deshalb im Neubau einen wichtigen Ansatzpunkt: „Es ist notwendig, dass man hier die Vorrüstung gleich umsetzt.“ So lasse sich die Infrastruktur ohne große Mehrkosten vorbereiten. Der größte Anteil der Bewohner:innen kann allerdings erst mit der Umsetzung von Lademöglichkeiten im Bestandswohnbau versorgt werden – dort sollten die gemeinsamen Bemühungen in Zukunft fokussiert werden.

Förderungen zielgerichtet einsetzen

Eine Lösung für die Finanzierungsfrage wäre der zielgerichtete Einsatz von Förderungen für die Vorrüstung von Gemeinschaftsanlagen in Bestandsgebäuden. Positiv ist: in einigen Bundesländern gibt es dafür bereits Landesförderungen– eine Ausweitung dieser auf ganz Österreich würde die Rahmenbedingungen vereinheitlichen und vereinfachen.
Und schließlich bleibt die Frage nach der Umsetzung: Wer treibt das Thema voran? Wer koordiniert? Laut Michaela Reiter-Benesch gebe es zwar viele gute und ausführliche Leitfäden – doch was fehle, sei die einfache, praxisnahe Anleitung: „Ein Formular, das zeigt, was es für die Umsetzung wirklich braucht.“

Speicherpotenzial E-Auto

Johann Kaiser brachte auch das Thema Speicher ins Spiel: Denn künftig könnten E-Autos, oder genauer gesagt deren Batterien, eine zentrale Rolle spielen: „Wenn wir hunderttausende Fahrzeuge haben, dann haben wir ein riesiges Speichersystem auf Rädern.“ Dieses könne nicht nur den Eigenbedarf decken, sondern auch zur Netzstabilisierung beitragen – ein klassisches „Win-Win“, wie es Kaiser formuliert. Kubicek ergänzt: Fahrzeugbatterien eignen sich für kurzfristige Lastspitzen. Ein Bremsfaktor bei der Speicherung ist die Regulierung. „Wir haben gewisse Vorgaben – und die lassen sich nicht beliebig umgehen“, so Kubicek. Ein Beispiel: Netzbetreiber dürfen selbst keine Batteriespeicher betreiben.
Die Diskussion zeigt, dass technische Lösungen bereits zur Verfügung stehen und die Beteiligten wissen, welche Schritte für die Mobilitätswende notwendig sind. Nun geht es darum, die vorhandenen Potenziale konsequent zu nutzen und die Umsetzung strukturiert weiter voranzutreiben. Denn die Ladeinfrastruktur in den Garagen von Mehrparteienhäusern ist ein zentraler Baustein der Mobilitätswende im urbanen Raum.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 18. Mai 2026 - zuletzt bearbeitet am 18. Mai 2026


SP
AutorStefan Posch
Tags
Wien
Infrastruktur
Garagen
Sanierung
Österreich
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