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Vom Verwalten zum Gestalten
Portrait von Nicole Fürntrath
Nicole Fürntrath ist Unternehmerin, leidenschaftliche Immobilienverwalterin und neue Obfrau der Wiener Fachgruppe der Immobilienund Vermögenstreuhänder. Mit Neugier, Tatendrang und klaren Vorstellungen will sie die Branche voranbringen.
Es gibt Menschen, die sich über Missstände ärgern. Und es gibt Menschen, die etwas dagegen unternehmen. Nicole Fürntrath gehört zur zweiten Kategorie. Dass sie heute an der Spitze der Wiener Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder steht, hat nämlich mit einer Veranstaltung begonnen, die ihr nicht besonders gefallen hat. Anstatt ihren Unmut für sich zu behalten, sprach sie das Thema bei einer Fachstudienreise der Wirtschaftskammer offen an. Es wurde diskutiert, Meinungen wurden ausgetauscht und offenbar blieb die engagierte Immobilienverwalterin dabei nicht unbemerkt. Irgendwann kam die Frage, ob sie sich nicht selbst einbringen wolle. Fürntrath sagte zu. Drei Jahre später ist sie Obfrau der Wiener Fachgruppe. Ein ungewöhnlicher Weg, der viel über die neue Interessenvertreterin verrät. Sie hinterfragt gerne, nimmt nicht alles als gegeben hin und scheut sich nicht davor, Verantwortung zu übernehmen.
Dabei war eine Karriere in der Immobilienwirtschaft ursprünglich gar nicht geplant. Ihre Wurzeln liegen in der Südoststeiermark, in der Gegend zwischen Fürstenfeld und Gleisdorf. Dort wuchs sie auf, ging zur Schule und absolvierte später ein Fachhochschulstudium in Wiener Neustadt. Ursprünglich interessierte sie sich für Marketing und Sales. Doch während ihrer Praktika merkte sie, dass ihre berufliche Zukunft wohl in eine andere Richtung führen würde. „Das Immobilienmanagement ist mir dann eigentlich passiert“, erzählt sie rückblickend. Was zunächst eher zufällig begann, entwickelte sich zu einer beruflichen Leidenschaft. Fürntrath lernte unterschiedliche Bereiche der Immobilienwirtschaft kennen. Sie arbeitete in der Vermittlung, bei Bauträgern, im Umfeld von Immobilienfonds und in Hausverwaltungen. Schließlich entdeckte sie ihre Leidenschaft für jenen Bereich, der in der Branche nicht unbedingt als besonders glamourös gilt: die Immobilienverwaltung.
Leidenschaft für die Verwaltung
„Ich mag Wohnungseigentumsverwaltung sehr“, sagt Fürntrath. Dass diese Vorliebe selbst unter Immobilienverwaltern nicht selbstverständlich ist, weiß sie nur zu gut. Für sie liegt gerade darin der Reiz: „Jede Eigentümergemeinschaft ist so eine Mini-Demokratie, und man kann da wirklich sehr viel bewirken.“ Als Verwalterin müsse man innerhalb eines klaren rechtlichen Rahmens vermitteln und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Ob Sanierung, Instandhaltung oder die Weiterentwicklung eines Gebäudes: Es gehe darum, etwas voranzubringen. Dass dabei neben juristischem und technischem Wissen auch eine gehörige Portion Menschenkenntnis gefragt ist, versteht sich von selbst. Manchmal gehöre auch ein wenig Seelsorge dazu.
Vor rund 15 Jahren wagte Fürntrath den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete ihre eigene Immobilienverwaltung. Heute beschäftigt Homebase Immobilienverwaltung neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dass daraus kein großer Verwaltungsapparat geworden ist, sondern ein überschaubares Unternehmen, ist eine bewusste Entscheidung. In ihrer beruflichen Laufbahn hatte Fürntrath sowohl kleine, traditionelle Verwaltungen mit viel persönlichem Kundenkontakt als auch größere Kanzleien mit standardisierten Prozessen und digitalen Systemen kennengelernt. Für ihr eigenes Unternehmen wollte sie das Beste aus beiden Welten verbinden. „Man kann alles sehr gut überblicken und diese persönliche Note bleibt erhalten. Wir kennen unsere Eigentümer, wir kennen unsere Mieter.“ Die Eigentümerversammlungen hätten bei ihr häufig eher den Charakter eines Kaffeekränzchens als jenen einer konfliktreichen Auseinandersetzung, erzählt sie schmunzelnd.
Vor rund fünf Jahren erweiterte Fürntrath ihre unternehmerischen Aktivitäten und gründete gemeinsam mit einer Kollegin eine Maklerfirma. Der Anstoß kam aus der eigenen Verwaltung: Immer wieder fragten Eigentümer:innen, ob man nicht auch die Vermittlung ihrer Immobilien übernehmen könne. Gleichzeitig zeigte sich, dass eine Mitarbeiterin ihre besonderen Talente in der Maklerei hatte. Aus der Idee wurde ein eigenständiges Unternehmen.
Eine neue Rolle
Dass sie einmal die Wiener Immobilienwirtschaft als Fachgruppenobfrau vertreten würde, war ebenfalls nicht Teil eines langfristigen Karriereplans. Nach ihrem Einstieg in die Kammerarbeit engagierte sie sich zunehmend im Ausschuss. Als sich die Nachfolge des langjährigen Obmanns Michael Pisecky abzeichnete, wurde sie gefragt, ob sie sich diese Aufgabe vorstellen könne. Gemeinsam mit ihrer Familie überlegte sie, welche Konsequenzen die zusätzliche Verantwortung haben würde. Schließlich bedeutete die Funktion einen erheblichen zeitlichen Aufwand neben dem eigenen Unternehmen.
Ihrem Vorgänger begegnet sie mit großem Respekt. Vierzehn Jahre lang hatte Pisecky die Fachgruppe geführt. Einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit plant Fürntrath deshalb nicht. Vielmehr möchte sie auf dem bestehenden Fundament aufbauen und dort Veränderungen vornehmen, wo sich die Bedürfnisse der Mitglieder gewandelt haben. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht sie in der Kommunikation. „Die Fachgruppe leistet großartige Arbeit. Das hat sie die letzten 14 Jahre gemacht. Wo wahrscheinlich eine Anpassung notwendig ist, ist die Art und Weise, wie man mit seinen Mitgliedern kommuniziert.“
Newsletter, Social Media, neue Veranstaltungsformate und eine aktivere Ansprache sollen dafür sorgen, dass die Arbeit der Interessenvertretung stärker wahrgenommen wird. Ein Beispiel dafür ist das WKW Real Estate Breakfast. Statt Informationsveranstaltungen am Abend anzubieten, setzt die Fachgruppe verstärkt auf kompakte Formate am Morgen. Gerade für Hausverwalter:innen, deren Abende häufig bereits mit Eigentümerversammlungen ausgefüllt sind, sei das deutlich attraktiver. Die Veranstaltungen sind teilweise ausgebucht, es gibt Wartelisten. Auch der Immobilienpreis IMMY soll künftig wieder alle drei Berufsgruppen berücksichtigen. „Ich glaube, es ist unheimlich wichtig, dass man Veranstaltungen für alle drei Berufsgruppen macht und nicht eine selektiv herausnimmt“, betont Fürntrath. Sie möchte jene Unternehmen und Persönlichkeiten vor den Vorhang holen, die mit Qualität, Innovation und Engagement überzeugen.
Die Last der Verwaltung
Dass Fürntrath selbst aus der Hausverwaltung kommt, dürfte sich auch in ihrer politischen Arbeit bemerkbar machen. Neue gesetzliche Vorgaben, zusätzliche Dokumentationspflichten, energetische Sanierungen und immer komplexere Haftungsfragen erhöhen den Aufwand. Gleichzeitig stehen die Honorare unter Druck. Besonders kritisch beurteilt sie jene Bestimmungen der Wiener Bauordnung, durch die zusätzliche Haftungsrisiken auf Immobilienverwalter:innen übertragen wurden. Hier will sie sich für deutliche Erleichterungen einsetzen, im Idealfall für die vollständige Beseitigung dieser zusätzlichen Haftung.
Das wirtschaftliche Problem zeigt sich besonders deutlich bei den Verwaltungshonoraren. Während die Personalkosten in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen sind, konnten viele Verwaltungen ihre Einnahmen nicht entsprechend anpassen. „Wenn ich in meinem Verwaltungsvertrag vereinbart habe, dass ich an die Verwaltungskostenpauschale gebunden bin, dann habe ich ein Thema. Dann habe ich 30 Prozent Steigerung bei den Löhnen gehabt, aber null Prozent Steigerung bei den Honoraren.“ Für sie ist klar, dass sich die Branche intensiver mit dem Wert ihrer eigenen Leistungen beschäftigen muss. Verwalter:innen müssten gegenüber ihren Kund:innen besser erklären, welche Aufgaben vom Grundhonorar umfasst sind und welche zusätzlichen Leistungen gesondert abgegolten werden müssen. „Mit der Verwaltungskostenpauschale werden wir nicht auskommen. Da wird es einfach Sonderhonorare geben müssen“, ist sie überzeugt.
Auch in der Wohnungspolitik möchte Fürntrath neue Akzente setzen. Sie wünscht sich weniger ideologisch geführte Debatten und mehr Entscheidungen auf Grundlage nachvollziehbarer Daten. Ihre Hoffnung sei, „dass man dieses sehr stark ideologische Denken ein bisschen in den Hintergrund stellt und versucht, wieder auf Basis von Fakten zu diskutieren“. Besonders beim Mietrecht sieht sie erheblichen Reformbedarf. Ein zentrales Anliegen ist ihr die Reform des Richtwertsystems. „Bitte machen wir die Mietzinsgestaltung nicht von einem Gebäudebaujahr abhängig, sondern von der Qualität der Wohnung oder des Objektes.“ Fürntrath plädiert dafür, Kriterien wie den energetischen Zustand einer Immobilie stärker zu berücksichtigen. Dafür bräuchte es allerdings eine bessere und vor allem einheitliche Datenbasis über den Gebäudebestand. Ähnlich sieht sie die Diskussion um die Wiener Bauordnung. Schnellere Bewilligungsverfahren und weniger bürokratische Hürden würden nicht nur Projektentwicklern helfen, sondern könnten auch Baukosten reduzieren. Viele dieser Forderungen seien seit Jahren bekannt. Was fehle, sei häufig der politische Wille zur Umsetzung. Trotz aller Schwierigkeiten gibt sie sich optimistisch. Dass die Branche bei politischen Gesprächen zunehmend eingebunden werde, wertet sie als positives Zeichen. „Wir werden gehört. Ob es verstanden und umgesetzt wird, ist ein anderes Thema.“
Alles im Dritten
Bei so vielen Aufgaben stellt sich zwangsläufig die Frage, wie sich das alles unter einen Hut bringen lässt. Unternehmerin, Fachgruppenobfrau, Mutter und Partnerin – Fürntraths Kalender dürfte wenig Raum für spontane Langeweile lassen. Die Antwort liegt für sie vor allem in guter Organisation. Ihr Leben hat sie auch geografisch möglichst effizient gestaltet. Sie wohnt mit ihrer Familie im dritten Wiener Gemeindebezirk, ihre Tochter geht gleich in der Nähe zur Schule und auch das Büro befindet sich bewusst in unmittelbarer Umgebung. Ihre Tochter kann nach der Schule bereits selbstständig ins Büro kommen. Das erleichtert vieles, ersetzt aber nicht die sorgfältige Planung, die ihr Alltag verlangt.
Mindestens ebenso wichtig ist die Unterstützung durch ihre Familie. Seit rund zwanzig Jahren lebt sie in einer Partnerschaft. Ohne den Rückhalt ihres Mannes und ihres familiären Umfelds wäre die zusätzliche Funktion kaum möglich, sagt sie. Auch ihrem Team bei Homebase kommt eine entscheidende Rolle zu. Denn während sie zunehmend für die Fachgruppe unterwegs ist, muss das Unternehmen weiterhin zuverlässig funktionieren. Dass ihr Terminkalender mittlerweile noch voller ist als erwartet, verschweigt sie nicht. „Ich habe gewusst, dass viel auf mich zukommt. Es ist aber dann noch mehr geworden, als ich vermutet habe.“ Bereut hat sie ihre Entscheidung dennoch keine Sekunde.
Wenn doch einmal Zeit bleibt, zieht es sie ins Freie. Die Familie ist sportlich, unternimmt gerne gemeinsame Aktivitäten und verbringt möglichst viel Zeit in der Natur. Besonders gerne kehrt Fürntrath in ihre steirische Heimat zurück. Dort findet sie beim Laufen, Radfahren oder Spazierengehen den notwendigen Abstand vom beruflichen Alltag. Trotz ihres vollen Kalenders wirkt sie mit ihrem Leben zufrieden. Sie schätzt Wien, das sie längst als ihre Heimat betrachtet, und sieht auch die Herausforderungen der Stadt mit einer gewissen Gelassenheit.
Mut zur Veränderung
Was sie jungen Menschen raten würde, die vor wichtigen beruflichen Entscheidungen stehen? Vor allem eines: mutiger sein. Besonders Frauen würden sich ihrer Beobachtung nach manchmal selbst zu viele Grenzen setzen. „Ich mache jede Woche Dinge, die ich noch nie gemacht habe und die neu für mich sind. Aber nur so entwickeln wir uns weiter.“ Fehler seien dabei unvermeidlich und gehörten zum Lernprozess. „Es ist okay, Fehler zu machen, aus Fehlern lernt man.“
Ihre eigene berufliche Zukunft sieht Fürntrath vorerst weniger im weiteren Wachstum ihres Unternehmens als in ihrer neuen Funktion. Sie möchte ihre Energie darauf konzentrieren, die Rahmenbedingungen für die Branche zu verbessern. Dabei weiß sie, dass Interessenvertretung ein Geschäft mit langem Atem ist. Manche Forderungen werden seit Jahrzehnten diskutiert, ohne dass sich wesentlich etwas verändert hat. Gerade deshalb bewundert sie jene Funktionäre, die trotz mancher Enttäuschung nicht aufgeben.
Als besonders mutig würde sie sich selbst gar nicht unbedingt bezeichnen, das machen andere. Neugierig treffe es besser. „Diese Neugierde und diese Begeisterungsfähigkeit aufrechtzuerhalten, ist wichtig, weil es einem hilft, weiterzuwachsen.“ Vielleicht ist genau das ihre größte Stärke. Denn wer sich nicht damit zufriedengibt, dass etwas schon immer so gemacht wurde, hat zumindest die Chance, tatsächlich etwas zu bewegen
Dabei war eine Karriere in der Immobilienwirtschaft ursprünglich gar nicht geplant. Ihre Wurzeln liegen in der Südoststeiermark, in der Gegend zwischen Fürstenfeld und Gleisdorf. Dort wuchs sie auf, ging zur Schule und absolvierte später ein Fachhochschulstudium in Wiener Neustadt. Ursprünglich interessierte sie sich für Marketing und Sales. Doch während ihrer Praktika merkte sie, dass ihre berufliche Zukunft wohl in eine andere Richtung führen würde. „Das Immobilienmanagement ist mir dann eigentlich passiert“, erzählt sie rückblickend. Was zunächst eher zufällig begann, entwickelte sich zu einer beruflichen Leidenschaft. Fürntrath lernte unterschiedliche Bereiche der Immobilienwirtschaft kennen. Sie arbeitete in der Vermittlung, bei Bauträgern, im Umfeld von Immobilienfonds und in Hausverwaltungen. Schließlich entdeckte sie ihre Leidenschaft für jenen Bereich, der in der Branche nicht unbedingt als besonders glamourös gilt: die Immobilienverwaltung.
Leidenschaft für die Verwaltung
„Ich mag Wohnungseigentumsverwaltung sehr“, sagt Fürntrath. Dass diese Vorliebe selbst unter Immobilienverwaltern nicht selbstverständlich ist, weiß sie nur zu gut. Für sie liegt gerade darin der Reiz: „Jede Eigentümergemeinschaft ist so eine Mini-Demokratie, und man kann da wirklich sehr viel bewirken.“ Als Verwalterin müsse man innerhalb eines klaren rechtlichen Rahmens vermitteln und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Ob Sanierung, Instandhaltung oder die Weiterentwicklung eines Gebäudes: Es gehe darum, etwas voranzubringen. Dass dabei neben juristischem und technischem Wissen auch eine gehörige Portion Menschenkenntnis gefragt ist, versteht sich von selbst. Manchmal gehöre auch ein wenig Seelsorge dazu.
Vor rund 15 Jahren wagte Fürntrath den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete ihre eigene Immobilienverwaltung. Heute beschäftigt Homebase Immobilienverwaltung neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dass daraus kein großer Verwaltungsapparat geworden ist, sondern ein überschaubares Unternehmen, ist eine bewusste Entscheidung. In ihrer beruflichen Laufbahn hatte Fürntrath sowohl kleine, traditionelle Verwaltungen mit viel persönlichem Kundenkontakt als auch größere Kanzleien mit standardisierten Prozessen und digitalen Systemen kennengelernt. Für ihr eigenes Unternehmen wollte sie das Beste aus beiden Welten verbinden. „Man kann alles sehr gut überblicken und diese persönliche Note bleibt erhalten. Wir kennen unsere Eigentümer, wir kennen unsere Mieter.“ Die Eigentümerversammlungen hätten bei ihr häufig eher den Charakter eines Kaffeekränzchens als jenen einer konfliktreichen Auseinandersetzung, erzählt sie schmunzelnd.
Vor rund fünf Jahren erweiterte Fürntrath ihre unternehmerischen Aktivitäten und gründete gemeinsam mit einer Kollegin eine Maklerfirma. Der Anstoß kam aus der eigenen Verwaltung: Immer wieder fragten Eigentümer:innen, ob man nicht auch die Vermittlung ihrer Immobilien übernehmen könne. Gleichzeitig zeigte sich, dass eine Mitarbeiterin ihre besonderen Talente in der Maklerei hatte. Aus der Idee wurde ein eigenständiges Unternehmen.
Eine neue Rolle
Dass sie einmal die Wiener Immobilienwirtschaft als Fachgruppenobfrau vertreten würde, war ebenfalls nicht Teil eines langfristigen Karriereplans. Nach ihrem Einstieg in die Kammerarbeit engagierte sie sich zunehmend im Ausschuss. Als sich die Nachfolge des langjährigen Obmanns Michael Pisecky abzeichnete, wurde sie gefragt, ob sie sich diese Aufgabe vorstellen könne. Gemeinsam mit ihrer Familie überlegte sie, welche Konsequenzen die zusätzliche Verantwortung haben würde. Schließlich bedeutete die Funktion einen erheblichen zeitlichen Aufwand neben dem eigenen Unternehmen.
Ihrem Vorgänger begegnet sie mit großem Respekt. Vierzehn Jahre lang hatte Pisecky die Fachgruppe geführt. Einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit plant Fürntrath deshalb nicht. Vielmehr möchte sie auf dem bestehenden Fundament aufbauen und dort Veränderungen vornehmen, wo sich die Bedürfnisse der Mitglieder gewandelt haben. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht sie in der Kommunikation. „Die Fachgruppe leistet großartige Arbeit. Das hat sie die letzten 14 Jahre gemacht. Wo wahrscheinlich eine Anpassung notwendig ist, ist die Art und Weise, wie man mit seinen Mitgliedern kommuniziert.“
Newsletter, Social Media, neue Veranstaltungsformate und eine aktivere Ansprache sollen dafür sorgen, dass die Arbeit der Interessenvertretung stärker wahrgenommen wird. Ein Beispiel dafür ist das WKW Real Estate Breakfast. Statt Informationsveranstaltungen am Abend anzubieten, setzt die Fachgruppe verstärkt auf kompakte Formate am Morgen. Gerade für Hausverwalter:innen, deren Abende häufig bereits mit Eigentümerversammlungen ausgefüllt sind, sei das deutlich attraktiver. Die Veranstaltungen sind teilweise ausgebucht, es gibt Wartelisten. Auch der Immobilienpreis IMMY soll künftig wieder alle drei Berufsgruppen berücksichtigen. „Ich glaube, es ist unheimlich wichtig, dass man Veranstaltungen für alle drei Berufsgruppen macht und nicht eine selektiv herausnimmt“, betont Fürntrath. Sie möchte jene Unternehmen und Persönlichkeiten vor den Vorhang holen, die mit Qualität, Innovation und Engagement überzeugen.
Die Last der Verwaltung
Dass Fürntrath selbst aus der Hausverwaltung kommt, dürfte sich auch in ihrer politischen Arbeit bemerkbar machen. Neue gesetzliche Vorgaben, zusätzliche Dokumentationspflichten, energetische Sanierungen und immer komplexere Haftungsfragen erhöhen den Aufwand. Gleichzeitig stehen die Honorare unter Druck. Besonders kritisch beurteilt sie jene Bestimmungen der Wiener Bauordnung, durch die zusätzliche Haftungsrisiken auf Immobilienverwalter:innen übertragen wurden. Hier will sie sich für deutliche Erleichterungen einsetzen, im Idealfall für die vollständige Beseitigung dieser zusätzlichen Haftung.
Das wirtschaftliche Problem zeigt sich besonders deutlich bei den Verwaltungshonoraren. Während die Personalkosten in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen sind, konnten viele Verwaltungen ihre Einnahmen nicht entsprechend anpassen. „Wenn ich in meinem Verwaltungsvertrag vereinbart habe, dass ich an die Verwaltungskostenpauschale gebunden bin, dann habe ich ein Thema. Dann habe ich 30 Prozent Steigerung bei den Löhnen gehabt, aber null Prozent Steigerung bei den Honoraren.“ Für sie ist klar, dass sich die Branche intensiver mit dem Wert ihrer eigenen Leistungen beschäftigen muss. Verwalter:innen müssten gegenüber ihren Kund:innen besser erklären, welche Aufgaben vom Grundhonorar umfasst sind und welche zusätzlichen Leistungen gesondert abgegolten werden müssen. „Mit der Verwaltungskostenpauschale werden wir nicht auskommen. Da wird es einfach Sonderhonorare geben müssen“, ist sie überzeugt.
Auch in der Wohnungspolitik möchte Fürntrath neue Akzente setzen. Sie wünscht sich weniger ideologisch geführte Debatten und mehr Entscheidungen auf Grundlage nachvollziehbarer Daten. Ihre Hoffnung sei, „dass man dieses sehr stark ideologische Denken ein bisschen in den Hintergrund stellt und versucht, wieder auf Basis von Fakten zu diskutieren“. Besonders beim Mietrecht sieht sie erheblichen Reformbedarf. Ein zentrales Anliegen ist ihr die Reform des Richtwertsystems. „Bitte machen wir die Mietzinsgestaltung nicht von einem Gebäudebaujahr abhängig, sondern von der Qualität der Wohnung oder des Objektes.“ Fürntrath plädiert dafür, Kriterien wie den energetischen Zustand einer Immobilie stärker zu berücksichtigen. Dafür bräuchte es allerdings eine bessere und vor allem einheitliche Datenbasis über den Gebäudebestand. Ähnlich sieht sie die Diskussion um die Wiener Bauordnung. Schnellere Bewilligungsverfahren und weniger bürokratische Hürden würden nicht nur Projektentwicklern helfen, sondern könnten auch Baukosten reduzieren. Viele dieser Forderungen seien seit Jahren bekannt. Was fehle, sei häufig der politische Wille zur Umsetzung. Trotz aller Schwierigkeiten gibt sie sich optimistisch. Dass die Branche bei politischen Gesprächen zunehmend eingebunden werde, wertet sie als positives Zeichen. „Wir werden gehört. Ob es verstanden und umgesetzt wird, ist ein anderes Thema.“
Alles im Dritten
Bei so vielen Aufgaben stellt sich zwangsläufig die Frage, wie sich das alles unter einen Hut bringen lässt. Unternehmerin, Fachgruppenobfrau, Mutter und Partnerin – Fürntraths Kalender dürfte wenig Raum für spontane Langeweile lassen. Die Antwort liegt für sie vor allem in guter Organisation. Ihr Leben hat sie auch geografisch möglichst effizient gestaltet. Sie wohnt mit ihrer Familie im dritten Wiener Gemeindebezirk, ihre Tochter geht gleich in der Nähe zur Schule und auch das Büro befindet sich bewusst in unmittelbarer Umgebung. Ihre Tochter kann nach der Schule bereits selbstständig ins Büro kommen. Das erleichtert vieles, ersetzt aber nicht die sorgfältige Planung, die ihr Alltag verlangt.
Mindestens ebenso wichtig ist die Unterstützung durch ihre Familie. Seit rund zwanzig Jahren lebt sie in einer Partnerschaft. Ohne den Rückhalt ihres Mannes und ihres familiären Umfelds wäre die zusätzliche Funktion kaum möglich, sagt sie. Auch ihrem Team bei Homebase kommt eine entscheidende Rolle zu. Denn während sie zunehmend für die Fachgruppe unterwegs ist, muss das Unternehmen weiterhin zuverlässig funktionieren. Dass ihr Terminkalender mittlerweile noch voller ist als erwartet, verschweigt sie nicht. „Ich habe gewusst, dass viel auf mich zukommt. Es ist aber dann noch mehr geworden, als ich vermutet habe.“ Bereut hat sie ihre Entscheidung dennoch keine Sekunde.
Wenn doch einmal Zeit bleibt, zieht es sie ins Freie. Die Familie ist sportlich, unternimmt gerne gemeinsame Aktivitäten und verbringt möglichst viel Zeit in der Natur. Besonders gerne kehrt Fürntrath in ihre steirische Heimat zurück. Dort findet sie beim Laufen, Radfahren oder Spazierengehen den notwendigen Abstand vom beruflichen Alltag. Trotz ihres vollen Kalenders wirkt sie mit ihrem Leben zufrieden. Sie schätzt Wien, das sie längst als ihre Heimat betrachtet, und sieht auch die Herausforderungen der Stadt mit einer gewissen Gelassenheit.
Mut zur Veränderung
Was sie jungen Menschen raten würde, die vor wichtigen beruflichen Entscheidungen stehen? Vor allem eines: mutiger sein. Besonders Frauen würden sich ihrer Beobachtung nach manchmal selbst zu viele Grenzen setzen. „Ich mache jede Woche Dinge, die ich noch nie gemacht habe und die neu für mich sind. Aber nur so entwickeln wir uns weiter.“ Fehler seien dabei unvermeidlich und gehörten zum Lernprozess. „Es ist okay, Fehler zu machen, aus Fehlern lernt man.“
Ihre eigene berufliche Zukunft sieht Fürntrath vorerst weniger im weiteren Wachstum ihres Unternehmens als in ihrer neuen Funktion. Sie möchte ihre Energie darauf konzentrieren, die Rahmenbedingungen für die Branche zu verbessern. Dabei weiß sie, dass Interessenvertretung ein Geschäft mit langem Atem ist. Manche Forderungen werden seit Jahrzehnten diskutiert, ohne dass sich wesentlich etwas verändert hat. Gerade deshalb bewundert sie jene Funktionäre, die trotz mancher Enttäuschung nicht aufgeben.
Als besonders mutig würde sie sich selbst gar nicht unbedingt bezeichnen, das machen andere. Neugierig treffe es besser. „Diese Neugierde und diese Begeisterungsfähigkeit aufrechtzuerhalten, ist wichtig, weil es einem hilft, weiterzuwachsen.“ Vielleicht ist genau das ihre größte Stärke. Denn wer sich nicht damit zufriedengibt, dass etwas schon immer so gemacht wurde, hat zumindest die Chance, tatsächlich etwas zu bewegen
SP
AutorStefan Posch
Tags
Fürntrath
Immobilienwirtschaft
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Nicole Fürntrath
Wiener Fachgruppe der Immobilienund Vermögenstreuhänder
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