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Europaweite Studie zu leistbarem Wohnen
TU Wien mit vergleichbaren Daten zu Wohnkosten
Steigende Mieten und Immobilienpreise setzen Haushalte in ganz Europa zunehmend unter Druck, besonders Ein-Personen-Haushalte und Menschen mit niedrigem Einkommen. Im von Franziska Sielker geleiteten Forschungsprojekt Espon House4Allhat ein Team der TU Wien gemeinsam mit internationalen Partnerinstitutionen erstmals europaweit vergleichbare Daten zu Miet- und Kaufangebotspreisen mit Einkommensinformationen verknüpft. Die Auswertungen bilden eine Grundlage für ein aktuelles Staff Working Document der Europäischen Kommission, welches den „European Affordable Housing Plan“ begleitet. Dieser ist das erste offizielle EU-Dokument, das sich umfassend mit der Leistbarkeit von Wohnraum befasst.
Mehr Transparenz für Wohnungsmärkte
Wohnen ist für die meisten Haushalte der größte Ausgabenposten – dennoch fehlt es in vielen Ländern an öffentlich zugänglichen und vergleichbaren Marktdaten. House4All soll diese Lücke schließen: Über ein Jahr hinweg wurden Angebotsmieten und Kaufpreise in ganz Europa erfasst und systematisch vergleichbar gemacht. Eine interaktive Plattform zeigt, wo Wohnen besonders teuer ist und wie stark die Belastung im Verhältnis zum Einkommen ausfällt. „Dieses Projekt war längst überfällig“, sagt Franziska Sielker, die gemeinsam mit Selim Banabak federführend mitwirkte. „Immobilienpreise sollten öffentlich verfügbar sein, denn Wohnen ist ein zentraler Bestandteil des Lebens. Dafür gibt es bislang aber erstaunlich wenig Transparenz.“
Städte richtig teuer
Die Analysen zeigen klare Muster: Vor allem in Städten ist Wohnraum im Verhältnis zum Einkommen schwer leistbar, während die Preise vielerorts schneller steigen als die Einkommen. Besonders betroffen sind junge Menschen, die häufig allein leben und kleine Wohnungen beziehen – ein Segment mit überdurchschnittlich hohen Quadratmeterpreisen. In einigen Ländern Südeuropas etwa bleiben junge Erwachsene auch deshalb länger im Elternhaus.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Hauptstädte und wirtschaftlich starke Zentren zählen zu den teuersten Märkten. Auch Küsten- und Tourismusregionen weisen hohe Preise auf, etwa durch Zweitwohnsitze oder Kurzzeitvermietung. In strukturschwächeren ländlichen Regionen hingegen führt Abwanderung häufig zu geringerer Nachfrage und niedrigeren Preisen.
Zwischen Klima und Leistbarkeit
Eine Fallstudie des Projekts macht zudem ein zentrales Spannungsfeld sichtbar: Klimaschutz und leistbares Wohnen lassen sich nicht immer problemlos miteinander vereinbaren. Energetische Sanierungen senken zwar langfristig den Energieverbrauch, führen kurzfristig jedoch häufig zu höheren Mieten. Die Folge kann eine Verdrängung einkommensschwächerer Haushalte sein – ein Effekt, der als „Energy Gentrification“ bezeichnet wird. „Wenn wir die Klimaziele im Gebäudebereich erreichen wollen, wird das realistischerweise auch zu höheren Wohnkosten führen“, so Sielker. „Investitionen sind aber notwendig – sowohl für den Klimaschutz als auch für den Erhalt des Bestands. Die Herausforderung besteht darin, diese Transformation sozial verträglich zu gestalten.“
Wohnen als Schlüsselthema
Die wachsende politische Bedeutung spiegelt sich auch auf EU-Ebene wider: Wohnen und Energie rücken stärker in den Fokus europäischer Maßnahmen. Neben der Datengrundlage erarbeitet House4All daher auch politische Empfehlungen, die in einem Policy Handbook veröffentlicht werden. „Klar ist, dass sich etwas ändern muss“, sagt Sielker. „Steigende Wohnkosten werden von vielen Menschen als kritisch wahrgenommen und beeinflussen zentrale Lebensentscheidungen.“ Angesichts der hohen politischen Aufmerksamkeit sei zu erwarten, dass Wohnen künftig eine wichtige Rolle in europäischen Förder- und Investitionsstrategien spielen wird.
Dass politische Rahmenbedingungen Wirkung zeigen können, verdeutlicht ein Blick nach Wien: Trotz seiner Größe zählt die Stadt im europäischen Vergleich weiterhin zu den Metropolen mit vergleichsweise moderaten Preisen – nicht zuletzt durch den großen kommunalen Wohnungsbestand und regulierte Mieten. Wohnungspolitik hat damit einen direkten Einfluss auf die Leistbarkeit – und gewinnt europaweit an Bedeutung.
Zum Gesamtbericht geht es hier
Mehr Transparenz für Wohnungsmärkte
Wohnen ist für die meisten Haushalte der größte Ausgabenposten – dennoch fehlt es in vielen Ländern an öffentlich zugänglichen und vergleichbaren Marktdaten. House4All soll diese Lücke schließen: Über ein Jahr hinweg wurden Angebotsmieten und Kaufpreise in ganz Europa erfasst und systematisch vergleichbar gemacht. Eine interaktive Plattform zeigt, wo Wohnen besonders teuer ist und wie stark die Belastung im Verhältnis zum Einkommen ausfällt. „Dieses Projekt war längst überfällig“, sagt Franziska Sielker, die gemeinsam mit Selim Banabak federführend mitwirkte. „Immobilienpreise sollten öffentlich verfügbar sein, denn Wohnen ist ein zentraler Bestandteil des Lebens. Dafür gibt es bislang aber erstaunlich wenig Transparenz.“
Städte richtig teuer
Die Analysen zeigen klare Muster: Vor allem in Städten ist Wohnraum im Verhältnis zum Einkommen schwer leistbar, während die Preise vielerorts schneller steigen als die Einkommen. Besonders betroffen sind junge Menschen, die häufig allein leben und kleine Wohnungen beziehen – ein Segment mit überdurchschnittlich hohen Quadratmeterpreisen. In einigen Ländern Südeuropas etwa bleiben junge Erwachsene auch deshalb länger im Elternhaus.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Hauptstädte und wirtschaftlich starke Zentren zählen zu den teuersten Märkten. Auch Küsten- und Tourismusregionen weisen hohe Preise auf, etwa durch Zweitwohnsitze oder Kurzzeitvermietung. In strukturschwächeren ländlichen Regionen hingegen führt Abwanderung häufig zu geringerer Nachfrage und niedrigeren Preisen.
Zwischen Klima und Leistbarkeit
Eine Fallstudie des Projekts macht zudem ein zentrales Spannungsfeld sichtbar: Klimaschutz und leistbares Wohnen lassen sich nicht immer problemlos miteinander vereinbaren. Energetische Sanierungen senken zwar langfristig den Energieverbrauch, führen kurzfristig jedoch häufig zu höheren Mieten. Die Folge kann eine Verdrängung einkommensschwächerer Haushalte sein – ein Effekt, der als „Energy Gentrification“ bezeichnet wird. „Wenn wir die Klimaziele im Gebäudebereich erreichen wollen, wird das realistischerweise auch zu höheren Wohnkosten führen“, so Sielker. „Investitionen sind aber notwendig – sowohl für den Klimaschutz als auch für den Erhalt des Bestands. Die Herausforderung besteht darin, diese Transformation sozial verträglich zu gestalten.“
Wohnen als Schlüsselthema
Die wachsende politische Bedeutung spiegelt sich auch auf EU-Ebene wider: Wohnen und Energie rücken stärker in den Fokus europäischer Maßnahmen. Neben der Datengrundlage erarbeitet House4All daher auch politische Empfehlungen, die in einem Policy Handbook veröffentlicht werden. „Klar ist, dass sich etwas ändern muss“, sagt Sielker. „Steigende Wohnkosten werden von vielen Menschen als kritisch wahrgenommen und beeinflussen zentrale Lebensentscheidungen.“ Angesichts der hohen politischen Aufmerksamkeit sei zu erwarten, dass Wohnen künftig eine wichtige Rolle in europäischen Förder- und Investitionsstrategien spielen wird.
Dass politische Rahmenbedingungen Wirkung zeigen können, verdeutlicht ein Blick nach Wien: Trotz seiner Größe zählt die Stadt im europäischen Vergleich weiterhin zu den Metropolen mit vergleichsweise moderaten Preisen – nicht zuletzt durch den großen kommunalen Wohnungsbestand und regulierte Mieten. Wohnungspolitik hat damit einen direkten Einfluss auf die Leistbarkeit – und gewinnt europaweit an Bedeutung.
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AutorRedaktion
Tags
Wohnen
Mieten
Europa
Leistbarkeit