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Schulbau: Modulbau gegen Platznot

Serielles Bauen verkürzt die Bauzeiten

Während an Österreichs Schulen die Vorbereitungen für die Abschlussprüfungen laufen, offenbart der Blick in viele Klassenzimmer ein altbekanntes Problem: Die Bausubstanz ist sanierungsbedürftig, der Platz für moderne Unterrichtsformen fehlt. Experten schätzen, dass bundesweit Investitionen in Milliardenhöhe nötig wären, um den Rückstau in der Bildungsinfrastruktur zu beheben. Angesichts steigender Schülerzahlen, besonders in urbanen Zentren wie Wien, geraten Gemeinden und öffentliche Träger zunehmend unter Handlungszwang.

Der aktuelle Trendreport Bildungsbau des Beratungsunternehmens Drees und Sommer analysiert diese Herausforderungen und zeigt Lösungswege auf. Im Fokus steht dabei vor allem das serielle Bauen als effizienter Hebel gegen den Flächenmangel.

Serielles Bauen basiert auf der industriellen Vorfertigung standardisierter Komponenten wie Wände, Decken oder ganzer Fassadenelemente, die auf der Baustelle lediglich montiert werden. Dieser Ansatz reduziert die Bauzeit massiv. Komplette Schulgebäude lassen sich so in rund 14 Monaten realisieren, erklärt Daniel Hof, Experte für serielles Bauen bei Drees und Sommer. Während konventionelle Bauvorhaben oft durch sequentielle Abläufe verzögert werden, ermöglichen modulare Prozesse ein paralleles Arbeiten. Das Ergebnis sind kalkulierbare Kosten, ein effizienterer Materialeinsatz und eine höhere Stabilität in den Lieferketten. Zudem bieten modulare Systeme die nötige Flexibilität, um auf schwankende Schülerzahlen zu reagieren: Einheiten können bei Bedarf ergänzt oder auch wieder rückgebaut werden.

Trotz der technischen Standardisierung ist das Vorurteil der monotonen Container-Schule längst überholt. Moderne Modulbauweise habe nichts mehr mit dem Einheitsbrei vergangener Jahrzehnte zu tun, betont Thomas Köhler, Head of Education bei Drees und Sommer. Ziel sei die Schaffung hochwertiger Lernlandschaften. Dies ist insbesondere für den Ausbau ganztägiger Schulformen in Österreich von Bedeutung. Zeitgemäße Pädagogik verlangt nach Räumen, die weit über den klassischen Frontalunterricht hinausgehen. Clusterkonzepte, die Klassenräume mit offenen Lernbereichen und Rückzugszonen verzahnen, lassen sich mit modularen Elementen präzise umsetzen. Dabei werden auch Aspekte wie Lichtführung und Akustik gezielt auf die pädagogischen Bedürfnisse abgestimmt.

Eine der größten Hürden für die flächendeckende Anwendung bleibt die föderale Struktur Österreichs. Neun unterschiedliche Landesbauordnungen erschweren die Umsetzung standardisierter Typenbauten. Ein harmonisierter rechtlicher Rahmen könnte die Genehmigungsverfahren deutlich verkürzen. Experten raten zudem dazu, die Projektabwicklung zu überdenken. Durch die gebündelte Vergabe mehrerer Bauvorhaben könnten Kommunen signifikante Zeit- und Kostenvorteile erzielen.

Damit die pädagogischen Anforderungen nicht hinter der technischen Effizienz zurückstehen, plädieren Fachleute für die konsequente Einbindung der sogenannten Phase Null. In dieser strategischen Planungsphase wird das pädagogische Konzept definiert, bevor der eigentliche Entwurf beginnt. Flankiert wird dieser Prozess durch die Digitalisierung: Ein digitaler Zwilling des Gebäudes liefert wertvolle Daten zu Energieverbrauch und Raumnutzung, um den Betrieb laufend zu optimieren.

Dass diese Konzepte bereits Früchte tragen, zeigt das Wiener Schulerweiterungsprogramm. Mittels Holz-Modulbauweise konnten hier innerhalb kürzester Zeit zahlreiche neue Klassenräume geschaffen werden, die ökologische Standards erfüllen und ein gesundes Lernklima bieten. Auch Vorarlberg gilt als Vorreiter bei der Vorfertigung im Holzbau, wo architektonischer Anspruch und effiziente Bauweise Hand in Hand gehen. Diese Projekte verdeutlichen, dass serielles Bauen weit mehr ist als eine Notlösung – es ist die Antwort auf den steigenden Modernisierungsdruck im Bildungssektor.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 08. April 2026 - zuletzt bearbeitet am 09. April 2026


SP
AutorStefan Posch
Tags
Bauen
serielles bauen
Investitionen
Modulbauweise
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