Immomedien
Marktimmomedien.atimmoflash.at
 / Lesezeit 1 min

Wohnbau: Kritik an Staats-Agentur

Experte warnt vor neuen Doppelstrukturen

In der hitzigen Debatte um den akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum wird der Ruf nach dem Staat lauter. Doch der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler warnt in einer aktuellen Analyse eindringlich vor der Gründung einer neuen bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft. Sein zentrales Argument: Eine zusätzliche Institution schafft keine einzige neue Wohnung, solange die strukturellen Rahmenbedingungen den Neubau systematisch blockieren. Stöppler sieht in einem solchen Schritt lediglich den Aufbau einer weiteren kostspieligen Verwaltungsebene, die am eigentlichen Problem vorbeigeht.

Deutschland verfügt bereits über eine beachtliche öffentliche Infrastruktur mit rund 790 kommunalen und landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Dass eine zusätzliche Bundesgesellschaft die Wohnungsnot lindern könnte, entbehrt für den Experten jeder fachlichen Grundlage. Das Kernproblem sei nicht ein Mangel an Akteuren, sondern die Tatsache, dass auch öffentliche Bauträger unter denselben restriktiven Bedingungen arbeiten wie private Investoren. Insbesondere die Dauer der Genehmigungsverfahren, die seit 2020 im Schnitt um sechs Monate gestiegen ist, sowie explodierende Baukosten durch hohe energetische Vorgaben und komplexe Bauordnungen machen Neubauten oft wirtschaftlich unmöglich.

Stöppler plädiert stattdessen für eine radikale Systematisierung und Baukostensenkung. Er fordert eine stärkere Typisierung sowie serielle und modulare Bauweisen, um die Kostenstruktur wieder in den Griff zu bekommen. Zudem sei der Mangel an Bauland in Ballungsräumen ein entscheidendes Nadelöhr, das auch ein staatlicher Akteur nicht umgehen kann. Hinzu kommt der Fachkräftemangel: Eine neue Bundesgesellschaft würde lediglich mit bestehenden Marktteilnehmern um dieselben Architekten und Ingenieure konkurrieren, ohne neue Kapazitäten zu schaffen.

Anstatt Zeit und Kapital in neue Governance-Strukturen zu investieren, empfiehlt der Experte, die vorhandenen kommunalen Gesellschaften durch mehr Eigenkapital und Bürgschaften zu stärken. Die Lösung liege in schnelleren Bebauungsplänen, der Vereinfachung von Bauordnungen und einer aktiven Bodenpolitik. Erst wenn die strukturellen Bremsen bei den Baukosten und Genehmigungsprozessen gelöst werden, kann in Deutschland wieder ausreichend gebaut werden – unabhängig von der Organisationsform des Bauträgers.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 07. April 2026 - zuletzt bearbeitet am 08. April 2026


SP
AutorStefan Posch
Tags
baukosten
Wohnraum
Analyse
Neubau
Immomedien
Informiert bleiben.

Treffen Sie eine Selektion unserer Newsletter zu buildingTIMES, immoflash, Immobilien Magazin, immo7news, immojobs, immotermin oder dem Morgenjournal

Jetzt anmelden

© Cachalot Media House GmbH - Alle Rechte vorbehalten