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„Schönheit rechnet sich langfristig.“
Porträt | Reza Akhavan
Eigentlich hätte Reza Akhavan, Mitbegründer und Gesellschafter von JP Immobilien, Arzt werden sollen. Stattdessen wurde aus einem Sommerjob die Grundlage einer außergewöhnlichen Unternehmerkarriere in der Immobilienbranche.
Es gibt Entscheidungen, die ein Leben verändern. Für Reza Akhavan war es kein millionenschwerer Deal und kein spektakulärer Ankauf. Es war die Frage einer jungen Frau, warum er im Sommer kellnern wolle, wenn ihr Vater doch jemanden für sein Immobiliengeschäft brauche. Fast vier Jahrzehnte später zählt Akhavan zu den bekanntesten Immobilienunternehmern Österreichs. Gemeinsam mit Daniel Jelitzka hat er JP Immobilien aufgebaut, eines der führenden Immobilienunternehmen des Landes.
Wenn Reza Akhavan durch Wien geht, sieht er mehr als Häuser. Er sieht Geschichten. Hinter Fassaden erkennt er die Handschrift vergangener Generationen, in Stiegenhäusern die Arbeit längst vergessener Handwerker und in jedem Gründerzeithaus ein Stück jener Stadt, die er vor vielen Jahren zu seiner Heimat gemacht hat. Die Leidenschaft für Wien, für seine Architektur und seine Geschichte zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben.
Dabei beginnt dieses Leben weit entfernt von den Wiener Gründerzeitvierteln. Mit 16 Jahren kommt Akhavan aus dem Iran nach Österreich. Die Sprache ist neu, das Umfeld unbekannt. „Ich bin nach Österreich gekommen und habe hier quasi die deutsche Sprache gelernt“, erinnert er sich. „Ich behaupte, ich kann die Sprache noch immer nicht perfekt, aber zumindest kann ich mich ganz gut verständlich machen.“ Wer Akhavan kennt, weiß, dass diese Untertreibung seiner noblen Bescheidenheit geschuldet ist.
Start mit Medizinstudium
Zunächst folgt er den Vorstellungen seiner Familie. Er beginnt, Medizin zu studieren. „Es ist bei den Persern so: Wenn das Kind auf die Welt kommt, wünschen sich die Eltern, dass es Arzt wird.“ Also absolviert er Prüfungen, lernt Anatomie und verfolgt den Weg, den seine Eltern für ihn vorgesehen haben. Doch dann kommt jener Sommer, der alles verändert.
Er verliebt sich. Um Geld für einen gemeinsamen Urlaub in Griechenland zu verdienen, sucht er einen Ferienjob. Eigentlich möchte er als Kellner arbeiten, aber seine damalige Freundin hält wenig davon. Ihr Vater sei in der Immobilienbranche tätig und könne vielleicht Hilfe gebrauchen. Akhavan weiß zu diesem Zeitpunkt nicht einmal genau, was ein Zinshaus ist. „Dass man ganze Häuser kaufen kann, war mir damals überhaupt nicht bewusst“, erzählt er heute.
Dennoch beginnt er bei dem erfolgreichen Zinshausmakler zu arbeiten. Dort lernt er die Grundlagen des Geschäfts kennen. Wie groß ist ein Haus? Wie hoch sind die Erträge? Wie viele Wohnungen sind frei? Fragen, die ihn bis heute begleiten. Schon nach kurzer Zeit vermittelt er sein erstes Zinshaus. Die Provision von damals 80.000 Schilling verändert seinen Blick auf die Zukunft. „Für mich war glasklar: Ich möchte nicht mehr Medizin studieren.“ Seine Mutter reagiert entsetzt. Mehr als ein Jahr spricht sie kaum mit ihm. „Jemand erzählt dir etwas und du gibst die Information weiter und möchtest dafür Geld bekommen“, habe sie damals über den Maklerberuf gesagt. Heute blickt Akhavan mit einem Lächeln auf diese Episode zurück. Er ist überzeugt, dass seine Mutter stolz auf seinen Weg gewesen wäre.
Abstecher in die Gastronomie
Der Weg zum Immobilienunternehmer verläuft allerdings keineswegs geradlinig. Nach dem Ende seiner ersten großen Liebe verschlägt es ihn zunächst in die Gastronomie. Gemeinsam mit einem Freund betreibt er im siebenten Bezirk das Lokal „Engel“. Die Wiener Nachtszene boomt, das Lokal ist voll. „Die Leute standen in vier Reihen an der Bar“, erinnert er sich. Wirtschaftlich läuft alles bestens. Doch die Immobilienbranche lässt ihn nicht los. Eines Abends betritt ein junger Asset Manager der Immofinanz sein Lokal. Sein Name: Daniel Jelitzka. Es ist die Begegnung, die sein weiteres Leben prägen wird. Die beiden kommen ins Gespräch, entdecken gemeinsame Interessen und entwickeln erste Projekte. Aus einzelnen Wohnungsverkäufen entsteht eine Partnerschaft. Aus der Partnerschaft eine gemeinsame Vision. 1996 gründen sie Dr. Jelitzka & Partner, das spätere JP Immobilien. Fast drei Jahrzehnte später stehen noch immer dieselben beiden Unternehmer an der Spitze. In einer Branche, in der Partnerschaften oft an Krisen, Wachstum oder unterschiedlichen Vorstellungen scheitern, ist das eine Besonderheit. Akhavan spricht über seinen Partner mit großer Wertschätzung. Die beiden ergänzen einander, vertrauen einander und treffen Entscheidungen bis heute auf kurzem Weg.
„Es gibt noch immer Daniel und meine Wenigkeit“, sagt Akhavan. Während andere Unternehmen umfangreiche Gremien und lange Entscheidungswege etabliert haben, setzen die beiden auf Pragmatismus. „Was sich auf einem A4-Zettel nicht ausgeht, machen wir nicht. Wir brauchen keine 700 Excel-Tabellen“, so Akhavan.
Glücksfall in der Stumpergasse
Der erste große Durchbruch gelingt mit einem Zinshaus in der Wiener Stumpergasse. Was zunächst wie ein gewöhnliches Projekt aussieht, entwickelt sich zum Wendepunkt. Ein Architekt erkennt das enorme Potenzial des Grundstücks. Neben dem Bestand können zusätzliche Flächen entwickelt werden. Für Akhavan ist es bis heute der entscheidende Moment seiner Unternehmerlaufbahn. „Das war mein Lucky Punch im Leben“, sagt er rückblickend. „Viele behaupten, sie hätten alles richtig gemacht. Aber es gehört immer auch ein bisschen Glück dazu.“
Das Projekt wird ein Erfolg. Weitere folgen. Die Eigenkapitalbasis wächst, das Unternehmen entwickelt sich. Aus einzelnen Zinshäusern werden ganze Portfolios. Als Anfang der 2000er-Jahre große Immobilienpakete auf den Markt kommen, greifen Akhavan und Jelitzka zu. Viele dieser Häuser befinden sich noch heute im Bestand. „Wien war damals einfach unterbewertet“, sagt Akhavan. Die Stadt sei zwar keine Metropole wie London oder Paris gewesen, habe aber enormes Potenzial besessen. Diese Einschätzung sollte sich als richtig erweisen. Mit den Jahren wächst JP Immobilien weit über das klassische Zinshausgeschäft hinaus. Zwar bleiben die historischen Gründerzeithäuser das Herzstück des Unternehmens, doch Akhavan und Jelitzka erschließen Schritt für Schritt neue Assetklassen. Im Wohnbau entwickelt sich das Unternehmen zu einem bedeutenden Player. Projekte wie Laendyard, N°10, oder KAYSER stehen exemplarisch für die moderne Seite von JP Immobilien. Auch im Bürosegment setzt das Unternehmen Akzente. Mit Projekten wie Telegraph 7 entstehen moderne Arbeitswelten, die auf die veränderten Anforderungen von Unternehmen reagieren. Gleichzeitig wächst die Bauträgersparte kontinuierlich. Aus den ersten Wohnungsprojekten werden hunderte Wohnungen pro Jahr.
Fokus auf Hospitality
Eine weitere Entwicklung prägt die vergangenen Jahre besonders stark: die Expansion in die Hotellerie. Früh erkennen Akhavan und Jelitzka die Chancen im Hospitality-Bereich. Aus diesen Erfahrungen entsteht schließlich der Hospitality Investors Club. Gemeinsam mit Partnern werden Hotelimmobilien erworben, entwickelt und betrieben. Für Akhavan ist diese Diversifikation kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern eine logische Weiterentwicklung: „Wir haben gewusst, nur auf Zinshäuser und auf das Bauträgergeschäft zu setzen, ist zwar schön und gut. Aber man hat gesehen, dass das auch einmal anders werden kann.“
Das zeigte sich auch während der jüngsten Immobilienkrise. Während viele Marktteilnehmer:innen vom rasanten Zinsanstieg überrascht wurden, kam JP Immobilien vergleichsweise gut durch die Turbulenzen. „Wer behauptet, er hätte die Krise in diesem Ausmaß erwartet, kann nicht nüchtern sein“, sagt Akhavan. Entscheidend sei gewesen, Risiken frühzeitig abzusichern und langfristig zu denken. JP Immobilien hat auf Absicherungsinstrumente wie Caps und Swaps gesetzt. „Es war wie eine Versicherung. Man freut sich nicht darüber, sie zu bezahlen. Aber man ist froh, wenn man sie hat“, meint Akhavan.
Wer Reza Akhavan kennt, weiß, dass er selten das Rampenlicht sucht. Während viele Branchenvertreter:innen regelmäßig auf Veranstaltungen präsent sind, ist er dort heute deutlich seltener anzutreffen. Das war nicht immer so. „Die ersten zehn Jahre habe ich jede Veranstaltung besucht“, erzählt er. Doch irgendwann habe er erkannt, dass der berufliche Erfolg auch seinen Preis hatte. Die Aufbaujahre von JP Immobilien waren intensiv. Tagsüber Projekte, Besprechungen und Verhandlungen, abends Empfänge, Netzwerkveranstaltungen und Geschäftsessen. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Familie zu kurz kommt“, sagt Akhavan. Heute setzt er andere Prioritäten. „Das Leben besteht nicht nur daraus, am Abend noch drei Gläser Wein mit Kollegen zu trinken.“ Stattdessen verbringt er seine Zeit lieber mit seiner Familie, mit Kunst oder bei Spaziergängen durch Wien. Über sich selbst sagt er mit einem Lächeln: „Ich bin langweiliger geworden.“ Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Aber ich genieße die Langeweile.“
Architektonisches Erbe
Trotz aller unternehmerischen Erfolge spricht Akhavan heute am liebsten über Architektur. Über Fassaden. Über historische Details. Über die Schönheit der Wiener Gründerzeit. „Früher habe ich Zinshäuser als Handelsware gesehen. Heute sehe ich ihre Schönheit.“ Wer seine Projekte kennt, versteht, was er meint. Historische Fliesen werden nach Originalvorlagen reproduziert. Verlorene Leuchten rekonstruiert. Fassaden in Original-Farbtönen restauriert. Es geht nicht um Nostalgie, sondern um Respekt vor dem Bestand. „Wir vermarkten Wien wegen seiner Musik, seiner Kultur, seiner Architektur. Wenn wir damit nicht ordentlich umgehen, verlieren wir einen Teil unserer Identität.“
Diese Haltung prägt auch seine zweite große Leidenschaft: die Kunst. Gemeinsam mit seiner Frau sammelt Akhavan seit vielen Jahren zeitgenössische österreichische Kunst. Künstler wie Franz West, Hermann Nitsch oder Maria Lassnig finden sich in der Sammlung. Mit dem Theater am Mittersteig soll ein Teil davon künftig öffentlich zugänglich werden. Die Kunst habe seinen Blick verändert, sagt Akhavan. Weg von reinen Zahlen, hin zu Fragen nach Schönheit, Kultur und gesellschaftlicher Bedeutung. „Ich werde einmal nicht mehr da sein, deswegen ist es mir wichtig, was man hinterlässt“, meint Akhavan. Vielleicht erklärt genau das seine besondere Beziehung zu Immobilien. Denn für ihn sind Häuser längst keine bloßen Anlageobjekte mehr. Sie sind Teil der Geschichte einer Stadt. Diese Überzeugung bestimmt sein Handeln bis heute. Ob beim Kärntner Ring Hof direkt neben der Wiener Staatsoper, bei neuen Hotelprojekten oder bei historischen Gründerzeithäusern. Akhavan redet heute lieber über ein historisches Stiegenhaus oder eine originalgetreue Fliese, die ihren Weg zurück an ihren ursprünglichen Platz gefunden hat, als über Renditen und Zinslisten. „Die Details machen das Gesamtbild aus“, sagt er. Es ist ein Satz, der nicht nur für Architektur gilt, sondern vielleicht auch für sein eigenes Leben.
Aus dem jungen Medizinstudenten, der einst zufällig in die Immobilienbranche stolperte, wurde ein Unternehmer, Kunstsammler und Bewahrer der Wiener Baukultur. Einer, der gelernt hat, hinter den Zahlen die Schönheit zu sehen.l
Wenn Reza Akhavan durch Wien geht, sieht er mehr als Häuser. Er sieht Geschichten. Hinter Fassaden erkennt er die Handschrift vergangener Generationen, in Stiegenhäusern die Arbeit längst vergessener Handwerker und in jedem Gründerzeithaus ein Stück jener Stadt, die er vor vielen Jahren zu seiner Heimat gemacht hat. Die Leidenschaft für Wien, für seine Architektur und seine Geschichte zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben.
Dabei beginnt dieses Leben weit entfernt von den Wiener Gründerzeitvierteln. Mit 16 Jahren kommt Akhavan aus dem Iran nach Österreich. Die Sprache ist neu, das Umfeld unbekannt. „Ich bin nach Österreich gekommen und habe hier quasi die deutsche Sprache gelernt“, erinnert er sich. „Ich behaupte, ich kann die Sprache noch immer nicht perfekt, aber zumindest kann ich mich ganz gut verständlich machen.“ Wer Akhavan kennt, weiß, dass diese Untertreibung seiner noblen Bescheidenheit geschuldet ist.
Start mit Medizinstudium
Zunächst folgt er den Vorstellungen seiner Familie. Er beginnt, Medizin zu studieren. „Es ist bei den Persern so: Wenn das Kind auf die Welt kommt, wünschen sich die Eltern, dass es Arzt wird.“ Also absolviert er Prüfungen, lernt Anatomie und verfolgt den Weg, den seine Eltern für ihn vorgesehen haben. Doch dann kommt jener Sommer, der alles verändert.
Er verliebt sich. Um Geld für einen gemeinsamen Urlaub in Griechenland zu verdienen, sucht er einen Ferienjob. Eigentlich möchte er als Kellner arbeiten, aber seine damalige Freundin hält wenig davon. Ihr Vater sei in der Immobilienbranche tätig und könne vielleicht Hilfe gebrauchen. Akhavan weiß zu diesem Zeitpunkt nicht einmal genau, was ein Zinshaus ist. „Dass man ganze Häuser kaufen kann, war mir damals überhaupt nicht bewusst“, erzählt er heute.
Dennoch beginnt er bei dem erfolgreichen Zinshausmakler zu arbeiten. Dort lernt er die Grundlagen des Geschäfts kennen. Wie groß ist ein Haus? Wie hoch sind die Erträge? Wie viele Wohnungen sind frei? Fragen, die ihn bis heute begleiten. Schon nach kurzer Zeit vermittelt er sein erstes Zinshaus. Die Provision von damals 80.000 Schilling verändert seinen Blick auf die Zukunft. „Für mich war glasklar: Ich möchte nicht mehr Medizin studieren.“ Seine Mutter reagiert entsetzt. Mehr als ein Jahr spricht sie kaum mit ihm. „Jemand erzählt dir etwas und du gibst die Information weiter und möchtest dafür Geld bekommen“, habe sie damals über den Maklerberuf gesagt. Heute blickt Akhavan mit einem Lächeln auf diese Episode zurück. Er ist überzeugt, dass seine Mutter stolz auf seinen Weg gewesen wäre.
Abstecher in die Gastronomie
Der Weg zum Immobilienunternehmer verläuft allerdings keineswegs geradlinig. Nach dem Ende seiner ersten großen Liebe verschlägt es ihn zunächst in die Gastronomie. Gemeinsam mit einem Freund betreibt er im siebenten Bezirk das Lokal „Engel“. Die Wiener Nachtszene boomt, das Lokal ist voll. „Die Leute standen in vier Reihen an der Bar“, erinnert er sich. Wirtschaftlich läuft alles bestens. Doch die Immobilienbranche lässt ihn nicht los. Eines Abends betritt ein junger Asset Manager der Immofinanz sein Lokal. Sein Name: Daniel Jelitzka. Es ist die Begegnung, die sein weiteres Leben prägen wird. Die beiden kommen ins Gespräch, entdecken gemeinsame Interessen und entwickeln erste Projekte. Aus einzelnen Wohnungsverkäufen entsteht eine Partnerschaft. Aus der Partnerschaft eine gemeinsame Vision. 1996 gründen sie Dr. Jelitzka & Partner, das spätere JP Immobilien. Fast drei Jahrzehnte später stehen noch immer dieselben beiden Unternehmer an der Spitze. In einer Branche, in der Partnerschaften oft an Krisen, Wachstum oder unterschiedlichen Vorstellungen scheitern, ist das eine Besonderheit. Akhavan spricht über seinen Partner mit großer Wertschätzung. Die beiden ergänzen einander, vertrauen einander und treffen Entscheidungen bis heute auf kurzem Weg.
„Es gibt noch immer Daniel und meine Wenigkeit“, sagt Akhavan. Während andere Unternehmen umfangreiche Gremien und lange Entscheidungswege etabliert haben, setzen die beiden auf Pragmatismus. „Was sich auf einem A4-Zettel nicht ausgeht, machen wir nicht. Wir brauchen keine 700 Excel-Tabellen“, so Akhavan.
Glücksfall in der Stumpergasse
Der erste große Durchbruch gelingt mit einem Zinshaus in der Wiener Stumpergasse. Was zunächst wie ein gewöhnliches Projekt aussieht, entwickelt sich zum Wendepunkt. Ein Architekt erkennt das enorme Potenzial des Grundstücks. Neben dem Bestand können zusätzliche Flächen entwickelt werden. Für Akhavan ist es bis heute der entscheidende Moment seiner Unternehmerlaufbahn. „Das war mein Lucky Punch im Leben“, sagt er rückblickend. „Viele behaupten, sie hätten alles richtig gemacht. Aber es gehört immer auch ein bisschen Glück dazu.“
Das Projekt wird ein Erfolg. Weitere folgen. Die Eigenkapitalbasis wächst, das Unternehmen entwickelt sich. Aus einzelnen Zinshäusern werden ganze Portfolios. Als Anfang der 2000er-Jahre große Immobilienpakete auf den Markt kommen, greifen Akhavan und Jelitzka zu. Viele dieser Häuser befinden sich noch heute im Bestand. „Wien war damals einfach unterbewertet“, sagt Akhavan. Die Stadt sei zwar keine Metropole wie London oder Paris gewesen, habe aber enormes Potenzial besessen. Diese Einschätzung sollte sich als richtig erweisen. Mit den Jahren wächst JP Immobilien weit über das klassische Zinshausgeschäft hinaus. Zwar bleiben die historischen Gründerzeithäuser das Herzstück des Unternehmens, doch Akhavan und Jelitzka erschließen Schritt für Schritt neue Assetklassen. Im Wohnbau entwickelt sich das Unternehmen zu einem bedeutenden Player. Projekte wie Laendyard, N°10, oder KAYSER stehen exemplarisch für die moderne Seite von JP Immobilien. Auch im Bürosegment setzt das Unternehmen Akzente. Mit Projekten wie Telegraph 7 entstehen moderne Arbeitswelten, die auf die veränderten Anforderungen von Unternehmen reagieren. Gleichzeitig wächst die Bauträgersparte kontinuierlich. Aus den ersten Wohnungsprojekten werden hunderte Wohnungen pro Jahr.
Fokus auf Hospitality
Eine weitere Entwicklung prägt die vergangenen Jahre besonders stark: die Expansion in die Hotellerie. Früh erkennen Akhavan und Jelitzka die Chancen im Hospitality-Bereich. Aus diesen Erfahrungen entsteht schließlich der Hospitality Investors Club. Gemeinsam mit Partnern werden Hotelimmobilien erworben, entwickelt und betrieben. Für Akhavan ist diese Diversifikation kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern eine logische Weiterentwicklung: „Wir haben gewusst, nur auf Zinshäuser und auf das Bauträgergeschäft zu setzen, ist zwar schön und gut. Aber man hat gesehen, dass das auch einmal anders werden kann.“
Das zeigte sich auch während der jüngsten Immobilienkrise. Während viele Marktteilnehmer:innen vom rasanten Zinsanstieg überrascht wurden, kam JP Immobilien vergleichsweise gut durch die Turbulenzen. „Wer behauptet, er hätte die Krise in diesem Ausmaß erwartet, kann nicht nüchtern sein“, sagt Akhavan. Entscheidend sei gewesen, Risiken frühzeitig abzusichern und langfristig zu denken. JP Immobilien hat auf Absicherungsinstrumente wie Caps und Swaps gesetzt. „Es war wie eine Versicherung. Man freut sich nicht darüber, sie zu bezahlen. Aber man ist froh, wenn man sie hat“, meint Akhavan.
Wer Reza Akhavan kennt, weiß, dass er selten das Rampenlicht sucht. Während viele Branchenvertreter:innen regelmäßig auf Veranstaltungen präsent sind, ist er dort heute deutlich seltener anzutreffen. Das war nicht immer so. „Die ersten zehn Jahre habe ich jede Veranstaltung besucht“, erzählt er. Doch irgendwann habe er erkannt, dass der berufliche Erfolg auch seinen Preis hatte. Die Aufbaujahre von JP Immobilien waren intensiv. Tagsüber Projekte, Besprechungen und Verhandlungen, abends Empfänge, Netzwerkveranstaltungen und Geschäftsessen. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Familie zu kurz kommt“, sagt Akhavan. Heute setzt er andere Prioritäten. „Das Leben besteht nicht nur daraus, am Abend noch drei Gläser Wein mit Kollegen zu trinken.“ Stattdessen verbringt er seine Zeit lieber mit seiner Familie, mit Kunst oder bei Spaziergängen durch Wien. Über sich selbst sagt er mit einem Lächeln: „Ich bin langweiliger geworden.“ Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Aber ich genieße die Langeweile.“
Architektonisches Erbe
Trotz aller unternehmerischen Erfolge spricht Akhavan heute am liebsten über Architektur. Über Fassaden. Über historische Details. Über die Schönheit der Wiener Gründerzeit. „Früher habe ich Zinshäuser als Handelsware gesehen. Heute sehe ich ihre Schönheit.“ Wer seine Projekte kennt, versteht, was er meint. Historische Fliesen werden nach Originalvorlagen reproduziert. Verlorene Leuchten rekonstruiert. Fassaden in Original-Farbtönen restauriert. Es geht nicht um Nostalgie, sondern um Respekt vor dem Bestand. „Wir vermarkten Wien wegen seiner Musik, seiner Kultur, seiner Architektur. Wenn wir damit nicht ordentlich umgehen, verlieren wir einen Teil unserer Identität.“
Diese Haltung prägt auch seine zweite große Leidenschaft: die Kunst. Gemeinsam mit seiner Frau sammelt Akhavan seit vielen Jahren zeitgenössische österreichische Kunst. Künstler wie Franz West, Hermann Nitsch oder Maria Lassnig finden sich in der Sammlung. Mit dem Theater am Mittersteig soll ein Teil davon künftig öffentlich zugänglich werden. Die Kunst habe seinen Blick verändert, sagt Akhavan. Weg von reinen Zahlen, hin zu Fragen nach Schönheit, Kultur und gesellschaftlicher Bedeutung. „Ich werde einmal nicht mehr da sein, deswegen ist es mir wichtig, was man hinterlässt“, meint Akhavan. Vielleicht erklärt genau das seine besondere Beziehung zu Immobilien. Denn für ihn sind Häuser längst keine bloßen Anlageobjekte mehr. Sie sind Teil der Geschichte einer Stadt. Diese Überzeugung bestimmt sein Handeln bis heute. Ob beim Kärntner Ring Hof direkt neben der Wiener Staatsoper, bei neuen Hotelprojekten oder bei historischen Gründerzeithäusern. Akhavan redet heute lieber über ein historisches Stiegenhaus oder eine originalgetreue Fliese, die ihren Weg zurück an ihren ursprünglichen Platz gefunden hat, als über Renditen und Zinslisten. „Die Details machen das Gesamtbild aus“, sagt er. Es ist ein Satz, der nicht nur für Architektur gilt, sondern vielleicht auch für sein eigenes Leben.
Aus dem jungen Medizinstudenten, der einst zufällig in die Immobilienbranche stolperte, wurde ein Unternehmer, Kunstsammler und Bewahrer der Wiener Baukultur. Einer, der gelernt hat, hinter den Zahlen die Schönheit zu sehen.l
SP
AutorStefan Posch
Tags
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